Nordwestwand
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Routen Details:
Antermojakogel (2899m). - 1. Ersteigung über die Nordwestwand und Überschreitung am 4. August 1902.
Zu dritt, Karl Doménigg-Gries, chern. Heinrich Fabesch-Wien und Unterfertigter, verließen wir um 6h 35m die Grasleitenhütte (2129m), um Domüniggs Idee zur Ausführung zu bringen: einen direkten Felsenweg auf den Antermojakogel zu Anden, der die sonst zum Anstieg benützten Eisrinnen vermeidet. Die vom Grasleitenkessel sichtbare, etwa 500 Meter hohe Wand wird von drei, von links (Norden) nach rechts (Süden) aufsteigenden Bändern durchzogen. Vom Gipfel reicht eine geräumige Schlucht bis knapp ober das zweite Band herab. (Das Band, das K. Domünigg am 19. Juli 1896 be nützte, beginnt noch tiefer in der Fallinie des Gipfels am Fuße der Wand.) Wir stiegen anfangs im Talkessel, später in jener Schlucht empor, die zwischen Antermojakogel und Molignon als steile Schnee rinne herabstreicht, dem Schnee rechts über Geröll ausweichend, bis zu jener plattigen, grauen Steilwand, mit der das zweite Band (das mittlere also) nach Norden abbricht. Hier stiegen wir zuerst 20 Meter gerade empor und krochen durch ein kleines, enges Felsloch hindurch. Dann wandten wir uns scharf nach rechts, ins stets knapp unter einer Reihe links befindlicher gelber Überhänge haltend (stellenweise schwierig). Nach zirka 40 Metern quert man um eine weit vorspringende Felsnase herum (schwierig) und klettert sofort direkt zu dem breiten, trümmerbedeckten Bande empor. (Dasselbe könnte wahrscheinlich leichter schon früher erreicht werden, wenn man bald nach dem Felsloch in einer Schleife nach links über steilen, plattigen Fels hinauf klettert.) Das breite Band führt, von gelben Wänden weit überwölbt, bequem nach rechts hinaus. Durch einen schmalen Spalt, den ein von der Wand abstehender Pfeiler mit ihr bildet, steigt man hinauf und jenseits einige Meter hinab, worauf man, auf die Bergwand über tretend, etwa 20 Meter schräg nach rechts über Schrofen ansteigt. Dann benützt man eine Reihe von Kaminen, Wandln und Rissen, die steil nach links hinaufführen (knapp unter einem gelben Pfeiler). Eine 40 Meter hohe, exponierte Steilstufe bringt auf eine Rippe hinauf, welche die eingangs erwähnte, vom Gipfel herabkommende Schlucht rechts begrenzt. Eine horizontale Traverse ermöglicht es, in diese hineinzugelangen. (Hierher könnte man auch kommen, wenn man das nächsthöhere Band benützen würde.) Ganz rechts in der Schlucht durch einen Kamin etwa 20 Meter hinauf, dann ein paar Schritte links hinaus und durch einen kurzen Stemmkamin zu leicht gangbaren Schrofen, die nach rechts hinauf bald zu einem breiten Schotterband fuhren. Dieses verfolgt man weit nach links (Norden), bei einem engen Riß vorüber, endlich um eine Ecke herum auf die Nordseite, wo man rechts gewandt über leichte Schrofen auf eine breite, steile Schrofenterrasse gelangt (die man auch von links — Norden — her aus der Schneerinne über schuttüberrieselte Schrofen erreichen könnte). Die Terrasse verschmälert sich nach rechts zu einem Bande; eine vom Gipfel kommende Schlucht bricht mit einem Überhang etwa 4 Meter oberhalb ab (reichlich Wasser). Derselbe wird von links her leicht erklettert, worauf man etwa 20 Meter schräg nach rechts emporsteigt. Dann quert man nach links in ein schrofiges Couloir, durch das man (Varianten möglich) in Kürze den westlichen Vorgipfel erreicht. Durch einen roten, brüchigen Kamin hinab in die Scharte und zuerst etwas rechts, dann aber links über Schutt zum Gipfel (10 St. 47 Min. inklusive aller Rasten). Dieser Weg ist der direkteste zum Gipfel und vom Grasleitenkessel vollständig sichtbar.
Dr. G. Freih. v. Saar, Graz.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 635, Seite 127-128
Antermojakogel.
In meinem Berichte über die 1. Ersteigung der Nordwand in Nr. 635 dieser Zeitung soll es auf S. 128, 12. Zeile von oben statt 40 Meter richtig 4 Meter hohe Steilstufe heißen.
Dr. G. Freih. v. Saar, Graz
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 640, Seite 189
Datum erste Besteigung:
04.08.1902
Gipfel:
Antermoiakogel (Croda dei Cirmei)
Erste(r) Besteiger(in):
Domenigg Karl
Fabesch H.
Saar Günther von