Südgrat
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Routen Details:
Großer Ödstein (2355 in). Erste Ersteigung über den Südgral, am 16. Oktober 1938, Hubert Peterka und Leo Markl.
— Erste Begehung der Südwestwand und der Südwestschlucht (im Abstieg), am 16. Oktober 1938, Hubert Peterka und Leo Markl.
— Erste Begehung des Südostgrates (im Abstieg), am 25. Juli 1957, Hubert Peterka und Fabian Knebl.
Allgemeines: Vom Gipfel sinken Mei scharf ausgeprägte Grate nach Süden ab, die teilweise durch Stufen unterbrochen, plattwandige Türme besitzen, zwischen welchen sich Kessel und enge Schluchten befinden. Der rechte von den beiden Graten, der Südostgrat (richtiger Südsüdostgral), fußt unmittelbar im Gamssteinsattel und trägt die Höhenmeter 2060 und 2245. In seiner unteren Hälfte gabelt sich der Südostgral in zwei Arme; der westliche Geil zieht über P. 1892 westlich neben dem Gamssteinsattel in die obere „Maischgrube" (zu dem bekannten Schneefleck ober dem Gamssteinsattel), der östliche Teil weist eine nochmalige Teilung auf, wovon ein
Sporn unmittelbar in die Sattelhöhe überläuft, und der Zweite, rechte Sporn, in die östliche Begrenzungsschlucht ausmündet. In dieser Schlucht führen die beiden Südostwandanstiege — Pichl-Panzer 1899 und Peterka-Kofler 1954 — empor (richtig Südostwand; bisher fälschlich als „Südwand" bezeichnen). Der Südostgrat bildet somit eine auffallende, scharfe Trennungslinie. Der linke, vom Gipfel abstreichende Grat, der Südgrat, trägt den Höhenmeter 2120 und besitzt in seinem oberen Teile einen hohen, steilabfallenden Turm; nach einer kleinen Schulter verflacht sich der Südgral in einen Plattenkessel, der wieder vom Südgral und Südostgral gebildet wird und zum untersten Ende der Südwestschlucht mit einer Steilwand abbricht. Diese große Südwestschlucht (im oberen Teile als „Ödsteinrinne" in der A.-V.- Karle bezeichnet), führt unmittelbar vom großen Schneefleck am Gamssteinsattel, tief eingeschnitten, gegen die Südwestwand hinauf, verflacht sich im oberen Teile zu einer Geröllrinne, die von der eigentlichen plattengesperrten Südwestwand überragt wird. (Vollkommen getrennt neben der Südwestschlucht und der „Ödsteinrinne" ist das leichtere Gelände des „Gamssteinsattelweges").
Die Begehung des unteren Südgrates bis zum P. 2060 ergeben zwei Möglichkeiten:
1. Die latschenbewachsenen Vorbauten direkt ober dem Gamssteinsattel und die daraus sich entwickelnde Gratschneide, oder eine Querung über Stufen zum linken Südostgratarm (gegen P. 1892) und der dahinter liegende Plattenkessel.
2. Von diesem Plattenkessel (Südgratkessel) durch die aufsteigende Schlucht direkt zum P. 2060.
Der Zugang zum Südgrat ist gleichfalls über die ersterwähnte Möglichkeit ausführbar, oder man quert vom Gamssteinsattelweg in die Südwestschlucht und erreicht über eine Steilwand den Plattenkessel (Südgratkessel), der zum P. 2060 des Südostgrates hinaufzieht. Die Begehung der Südwestschlucht und der Südwestwand (die unterste Schlucht weist zwei ungangbare Abbrüche auf!) ist ab dem vorher erwähnten Quergang bis zur rinnenartigen Verflachung möglich; die Erkletterung der Plattenwand ermöglichen zwei Kamine mit dazwischen liegenden Riesenplatten.
Der Höhenunterschied zwischen Gamssteinsattel und Gipfel beträgt 739 m. Obige Geländeangaben können genau auf der A.-V.-Karte 1 :25.000 verfolgt werden.
Einzelheiten: Uber den Südgrat (im Aufstieg begangen): Es gibt zwei Möglichkeiten:
1. Gemeinsamer Einstieg mit dem Südostgrat. Unmittelbar vom Gamssteinsattel über den Geröllkegel zum Wandfuß und von rechts her auf Schrofen zu einer Lalschenstufe (Gamsfährten, Steinmann). Den Gamsspuren nach links folgend, hinter einer Ecke auf eine grasdurchsetzle Platte. Durch eine Einbuchtung weiter, über eine sehr schwierige Stufe hinauf in die schiefliegende Plattenrinne, die nach rechts aufwärts zu den plattigen Südostgrattürmen führt. Diese Plattenrinne wird bis zu ihrem Ende begangen; vor dem kaminartigen Abschluß nach rechts in die Seitenwand und senkrecht hinauf bis unter den schwarzplattigen zurm (Steinmann). Uber Schrofenbänder waagrecht nach links (schon vom Gamssteinsattel gut sichtbar!) in einen Sattel, im linken Nebenarm des Südostgrates (bei P. 1892, Steinmann), weiter schräg links absteigend über ein bequemes Grasband in den plattigen Südgratkessel (Steinmann).
2. Uber dem Gamssteinsattelweg bis in die Scharte ober der schrägen Rinne, von wo es zum ersten Male möglich wird in die Südwestschlucht hinein zu queren. In dieser Schlucht bis zu rotem Gestein hinauf, dann nach rechts über eine senkrechte Wandstelle auf Schrofen, in einen Sattel und jenseits unschwierig in den Südgratkessel hinab (Steinmann). In diesem Kessel wurzelt der eigentliche Südgrat.
Eine schräge Plattenrampe (Steinmann) führt, unmittelbar in der Falllinie des großen Eckturmes gelegen, gegen diesen hinauf. Über sehr feste Köpfel gerade in der Richtung der Scharte, rechts vom Turm empor. Senkrecht hoch zu einen prächtigen Kamin, und anschließend in die Scharte (Steinmann). Etwas absteigend und sofort hinauf zu Klemmblöcken bei einem vorstehenden Turm. Unmittelbar unter dem Dachüberhang durch ein enges Loch durchkriechend (nur für schlankleibige; ansonst muß der Überhang rechts erklettert werden) auf die Blöcke hinauf. Von dem erreichten Kessel nach links auf den Eckturm (Steinmann). Über den teilweise sehr scharfen Grat gerade aufwärts bis eine Grasschulter erreicht ist. Unter einer glatten Platte leitet ein ansteigendes Band nach links (in einer Nische Steinmann und Karte), zu einer senkrechten Stufe. Gerade hinauf und rechts hatlend zum obersten Grat (Steinmann), der sich bald nachher mit dem Südostgrat vereinigt. Über die unschwierigen Felsen des Gipfeldaches zum höchsten Punkt.
Kletterzeil 5 Stunden; teilweise sehr schwierige Kletterei.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1939, Folge 1206, Seite 163-165
Datum erste Besteigung:
16.10.1938
Gipfel:
Ödstein Großer
Erste(r) Besteiger(in):
Markl Leo
Peterka Hubert