Westwand
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Routen Details:
Große Keilspitze (2739 m). 1. Ersteigung über die unmittelbare Westwand durch Hubert Peterka und Leo Markl am 18. Juli 1938.
Allgemeines: Der Westabsturz wird von zwei hervortretenden Pfeilern gestützt, hinter welchen Kaminreihen eingeschnitten sind. Der linke Pfeiler (A) entsendet jähe Platten und Überhänge nach Nordwesten gegen die „Saarschlucht" , der rechte Pfeiler (8), bzw. die Kaminreihe dahinter, wurde für die zwei bisherigen Westwandanstiege — Eller und Katzian 1919, Poppinger und Pichler 1935 — benützt. Zwischen den beiden Pfeilern baut sich die prächtige Plattenwand auf, die in ihrem oberen Drittel von einem mächtigen, waagrechten und gelben Wulst (4) durchzogen ist. Knapp unterhalb befindet sich eine große Geröllstufe (3), im unteren Wanddrittel eine kleine Geröllstufe (2). Aber dem waagrechten Wulst führt ein Gratpfeiler (5) gerade zum Gipfelsteinmann hinauf. Der Wand sind zwei runde Felsköpfe vorgeschoben (1), die von einem auffallenden Schuttband durchzogen sind.
Der Durchstieg führt über den linken Felskopf (1) zum breiten Schuttband (Einstieg unmittelbar in der Gipfelfallinie), über senkrechte Platten zur kleinen (2) und großen Geröllstufe (3) und bis an den gelben Wulst (4). Die Erkletterung desselben ermöglicht ein tiefer Kamin in der Nähe des linken Wandpfeilers. Mit schrägem Anstieg nach rechts wird der Wulst überwunden und der Gratpfeiler erreicht (5). Dieser leitet zum höchsten Punkt.
Einzelheiten: Über gut kletterbare Steilabsätze und durch einen schiefliegenden Kamin (1) auf das breite Schuttband hinauf (Steinmann). Etwas links absteigend, bis wieder ein Schrofenband nach rechts zurückleitet. hinter einer schwierigen Unterbrechungsstelle erklettert man einen schwarzen Überhang. Schwach rechts ansteigend wird nach 30 m ein kleiner Absatz erreicht. Knapp daneben setzt ein 30m-Kamin an, den man in seinem oberen Teile nach links auf die Begrenzungskante verläßt. Höher oben wird abermals ein Absatz erreicht. 10 m in einer Verschneidung hoch und mit dem Erreichen eines Plattenbandes nach rechts in die Wand.
Schon nach wenigen Metern nach links zurück und durch einen kurzen Kamin auf sehr guten Stand. Nach links an die Kante und über diese auf die „Kleine Geröllstufe" (2) (Steinmann). Den Weiterweg vermittelt nicht der auffallende Stemmkamin, sondern links daneben eine schwach eingebuchtete, wasserüberronnene Wand. Von links nach rechts querend in diese und gerade in sehr schöner Kletterei über die ganze Wandfläche hinauf und anschließend auf die „Große Geröllstufe" (3) (Steinmann). Unschwierig nach links zum großen Kamin. Man stemmt eine Seillänge hoch; bei einer naheliegenden Platte wird der Kamin verlassen und die rechtsseitige Wand als Weiterweg benützt. Zuerst über kleingriffige Platten hinauf, um einen Überhang herum und anschließend schräg rechts durch die herrlich kletterbare Steilwand bis dicht unter die oberen Überhänge des
gelben Wulstes (4) (Steinmann und Karte). Über ein blockgesperrtes Band nach links und hinter einer Ecke sehr steil empor, dann nach rechts hinaus in zurückgeneigte Felsen. Der erreichte Gratpfeiler (5) führt mit gutartigen Felsstufen unmittelbar zum Gipfel.
Sehr schwierige Kletterei über durchaus eisenfesten Fels. Kletterzeit 3 1/2 Stunden. Wandhöhe 550m. Die Wand wurde ohne Verwendung von Mauerhaken erklettert. Die Ersteigung der Keilspitze-Westwand auf dem unmittelbaren Durchstiegsweg ist die schönste Felsfahrt der Lienzer Dolomiten.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1939, Folge 1205, Seite 142-144
Datum erste Besteigung:
18.07.1938
Gipfel:
Keilspitze Große
Grafik:
Erste(r) Besteiger(in):
Markl Leo
Peterka Hubert