Nordostgrat
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Routen Details:
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1903
Wildgerlosspitze. 1 Begehung des Nordostgrates am 19. Juli 1903.
Von dem Wildgerlos- und Reichenspitze verbindenden Grate sinkt nahe dem Ostgipfel der ersteren nach Nordosten gegen die Zittauerhütte ein Seitengrat ab, der mit dreieckigem, dunklem Felsenfuß dem Gerlosgletscher aufruht. Über diesem Felsdreieck treten die Schneehänge zu scharfer Schneide zusammen, worauf der Grat wieder felsig wird und steiler aufgerichtet weiter verläuft, bis er, hoch oben mit dem Hauptgrat vereinigt, in der Wildgerlos-Ostspitze sein Ende findet. Um 4 U. 3o morgens verließen wir die Zittauerhütte und standen nach etwa einstündiger genußvoller Wanderung über das sanftgeneigte, heuer fast spaltenfreie Gerloskees am Felsenfuße des Nordostgrates. Wir gingen, noch auf dem Gletscher bleibend, links an ihm vorbei und erreichten von Osten her über steilen Schnee den Grat bei jener Firnschneide oberhalb eines auffallenden Türmchens. Nach wenigen Schritten über die schöne Firnschneide war der Felsgrat gewonnen, der aus groben, in mäßiger Neigung aufeinandergetürmten Blöcken besteht und nur an vereinzelten Stellen einigermaßen schwierige Kletterei erfordert. Er ermöglicht rasches, lustiges Steigen und lohnt auch reichlich durch den Ausblick in den furchtbar düsteren Winkel zwischen Gabler und Reichenspitze. Rast 6 U. 25 - 6 U. 47. Bereits gegen 7 U. 30 war der Hauptgrat erreicht, den wir anfangs ohne Schwierigkeiten verfolgten. Schon nahe dem Ostgipfel wird der Grat plötzlich sehr schmal und erscheint eine Seillänge weiter durch einen unüberschreitbaren, auch nach links und rechts glatt und senkrecht abstürzenden Zacken gesperrt. Ein links unter dem Zacken hinausziehendes Leistchen dürfte auch unter günstigen Umständen kaum zum Ziele führen, bei dem rasenden Sturme des 19. Juli war ein derartiger Versuch von vornherein ausgeschlossen. Dagegen kann man, wie sich später zeigte, nach links durch einen Riß einige Meter auf ein breites schwarzes Band absteigen, das durch die ganze Südostflanke des Berges verläuft und hoch oben auf den Südgrat bringt. Wir stiegen von dem Zacken den Hauptgrat wieder zurück, bis wir nach Süden absteigen konnten, erreichten dann von unten das schwarze Band und den Südgrat, über den wir in unterhaltender Kletterei auf den Gipfel gelangten, 9 U. 45. Der vergebliche Vorstoß über den Hauptgrat hatte uns über eine Stunde Zeit gekostet, die bei Benützung jenes Risses erspart bliebe, so daß auf unserm Wege die Wildgerlosspitze sicher in 3 1/2 Stunden zu erreichen ist. Prächtige Ausblicke vom Nordostgrat, überwältigende Felsszenerien auf dem Hauptgrat vor dem Zacken, eine lustige, rasch fördernde Kletterei, hie und da von Eisarbeit unterbrochen, werden uns sicher viele Nachfolger auf diesem schönen Wege erstehen lassen. Vom Gipfel ab 10 U.; über den Südgrat und das Kuchelmooskees im Bummeltempo zur Plauenerhütte 1 U. 30. Eduard Gams, Karl Schuch, Franz Stradal, Emil Stumme-Wien
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 645, Seite 247-248
Datum erste Besteigung:
19.07.1903
Gipfel:
Wildgerlosspitze
Erste(r) Besteiger(in):
Gams Eduard
Schuch Karl
Stradal Franz
Stumme Emil