Ostwand - "Alter Weg" (Leuchs/Schulze-Führe)

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Routen Details:
Totenkirchl - 1. Ersteigung über die Ostwand. Am 23. Juli 1902 mit Adolf Schulze - München
Stripsenjoch ab 7 U. 25, Schneeloch 8 U. 25. Zwischen dem mit Grasbändern durchsetzten nörd­lichen Vorbau des Totenkirchls und der in der Falllinie des Vorgipfels gelegenen schwarz-gelb gestreiften Steilwand befindet sich im unteren Teile der Ostwand eine zerrissene, von schwarzen Überhängen durch­ setzte Einbuchtung. Der Aufstieg in derselben gelang in ihrer südlichsten Partie durch eine teilweise senkrechte, schmale Rinne. Wir kamen an den Fuß dieser Rinne, indem wir — nach Überschreitung der Randkluft etwa in der Mitte der Einbuchtung — über sehr griffarme steile Platten nach links empor­ kletterten. In der Rinne meist spreizend empor, bis die fast senkrechte, aber mit ausgezeichneten Griffen und Tritten versehene, plattige linke Seitenwand den Ausstieg und Weiteraufstieg ermöglichte. Wir kamen 50 Meter über dem Einstiege in ein System von steilen Rinnen, welche sich nach links aufwärts ziehen. Unter Führung dieser Rinnen, später mehrfach nach links traversierend, teilweise sehr schwierig empor. Wir fanden hier Seilringe, welche von einem Versuche der Herren E. Enzensperger, Dr. Müller und Wunder im Jahre 1896 herrührten. Es galt den Eingang eines eigentümlichen Spaltes zu erreichen, welcher die senkrechte Wand quer nach rechts aufwärts durchschneidet und da endigt, wo die Schlucht zwischen Haupt- und Vorgipfel abbricht (vom Schneeloche deutlich zu sehen!). Es gelang dies, indem wir die letzte Rippe ca. 20 Meter unter der glatten Wand querten und zuletzt auf sehr schwieriger Traverse (weiter Spreizschritt) direkt am Fuße dieser Wand zum Eingänge des Spaltes hinüberkletterten. Der höchst eigenartige Spalt ist zuerst rinnenartig, geht dann über in ein überdachtes Band (auf demselben zwei große Blöcke) und endigt in einem schiefen moosigen Kamine; über einen ein­ geklemmten Block äußerst exponiert emporstemmend, kamen wir in die Schlucht zwischen Haupt- und Vorgipfel 270 Meter über dem Einstiege. In dieser weiter, mit Ausnahme einer schwierigen Traverse von rechts nach links leicht. Die Schlucht gabelt sich, wir hielten uns im rechtsseitigen Aste und kamen durch zwei etwa 15 Meter hohe, durch ein kurzes Band unterbrochene Stemmkamine (beim zweiten der Ausstieg sehr schwierig, Rücken an der nördlichen Kaminwand!) in die Scharte zwischen Haupt- und Vorgipfel.
Einstieg 9 U., Spalt 1 U. 25, Gipfel 2 U. 55. Die Höhe der Wand vom Einstiege ab beträgt nach Aneroid 400 Meter. Normaler Zeitaufwand ca. 4 Stunden. Kletterei größtenteils sehr schwierig und exponiert, ohne außergewöhnliche Schwierigkeiten zu bieten. Die Totenkirchl-Ostwandroute, welche übrigens von dem Enzenspergerschen sich ganz in den Abstürzen der Winklerscharte und des Süd­ostgrates haltenden Schneelochaufstieg prinzipiell verschieden ist, steht an Großartigkeit fast auf gleicher Stufe wie die Ostwände der Kleinen Halt und des Predigtstuhls.
Dr. G. Leuchs - München/Nürnberg
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 635, Seite 124-125
Datum erste Besteigung:
23.07.1902
Gipfel:
Totenkirchl
Erste(r) Besteiger(in):
Leuchs Georg
Schulze Adolf