von Nordwesten - teilweise neuer Anstieg
(
Bearbeiten)
Routen Details:
Groß-Litzner (3111 m). Teilweise neuer Anstieg von Nordwesten. Am 9. September 1902. Mit Herrn Karl Huber-Bregenz. Aus der Scharte zwischen Groß- Seehorn und Groß-Litzner (Litznerscharte) über den Firn zur ersten Gratstufe. Kurzer Quergang rechts und über guten Fels zu einer Rinne, die nach links auf die erste Stufe leitet. Leicht weiter zum Fuß der zweiten Stufe. Nun über eine kurze geneigte Vorstufe zu dem senkrechten Riß, in dem man sich — linkes Knie im Risse — durch das glatte Gemäuer hinaufarbeitet. An dem eingeklemmten Steine, bei dem seinerzeit Christian Klucker (siehe Norman-Neruda, „Übergang vom Groß-Seehorn auf den Groß- Litzner“, „Österr. Alpenzeitung“ 1891, Nr. 33o, S. 209 - 210) umkehren mußte, stemmte ich mich in die Nische oberhalb auf, dann schob ich mich unter dem Überhänge, durch den der Riß weiterzieht, nach links (nördlich) hinaus und drückte mich mittels der oben flach aufgelegten Hände — Griffe fehlen — behutsam, mit dem linken Knie nachhelfend, über den Rand auf die zweite Stufe. Es ist dies eine etwas heikle Kletterei, die kleinen Leuten bedeutende Schwierigkeiten machen dürfte. Der Voraussteigende kann nicht gesichert werden. Leichte Stufen fuhren von der zweiten Terrasse zu einem kaminartigen, glattwandigen Spalt; man klettert an der Kante seiner Außenwand empor, überschreitet ihn und erreicht dann ganz leicht über den Grat die Spitze.
Wir kletterten über den gewöhnlichen Weg (Südostseite) hinab und erstiegen noch den Vorgipfel direkt aus der Scharte. Ich kann nicht umhin zu bemerken, daß die Schwierigkeiten des Jannschen Weges bisher meist etwas übertrieben geschildert wurden. Am zutreffendsten ist wohl, was Norman-Neruda in seinem oben erwähnten Aufsatze über denselben schrieb: „Nun will ich gewiß nicht sagen, die Kletterei sei leicht, aber als wirklich schwer kann ich sie auch nicht bezeichnen.“ Hingegen ist die mittlere Stufe der Nord westseite recht schwierig zu nennen; sie bildet aber auch die einzige Schwierigkeit unseres Anstieges, der im übrigen leichter und weniger interessant als der alte Weg ist. Wir gingen durchaus in Nagel schuhen; Kletterschuhe sind ganz überflüssig.
Viktor Sohm-Bregenz.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 638, Seite 166-167
Datum erste Besteigung:
09.09.1902
Gipfel:
Großlitzner
Erste(r) Besteiger(in):
Huber Karl
Sohm Viktor