Enzensperger Josef

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Biografie:
geboren in Rosenheim (Deutschland)
gestorben auf den Kerguelen-Inseln

Eine Trauerbotschaft ist aus fernen Landen gekommen, die für viele eine schmerzliche Überraschung war: Josef Enzensperger ist tot, den wir vor 1 1/2 Jahren von uns ziehen sahen in bester Gesundheit und blühender Jugendkraft, das Prototyp einer durch reiche alpine Tätigkeit gestählten und widerstandsfähigen Natur. Mit strahlenden Augen, in freudiger Begeisterung verabschiedete er sich im Sommer 1901 von seinen Freunden, um sich der deutschen Südpolarexpedition anzuschließen. Sein Traum, sein Sehnen, an einer bedeutenden Arbeit, die einen ganzen Mann erforderte, einmal mitwirken zu dürfen, war erfüllt. Auf der Station, die auf den Kergueleninseln errichtet wurde, war er als Leiter der meteorologischen Arbeiten tätig. Mit Spannung erwartete man in diesem Sommer seine Rückkunft, aber der Dampfer, der, von den Kerguelen kommend, am 16. April in Sydney einlief, brachte damit auch die traurige Botschaft, daß Josef Enzensperger am 2. Februar 1903 auf den Kerguelen einer tückischen Krankheit, Beri-Beri, zum Opfer gefallen sei.
Ein Unstern schwebt über den exotischen Unternehmungen mancher unserer besten Alpinisten: schon H. v. Barth büßte sein Leben in Afrika, A. v. Krafft, ein intimer Freund unseres Enzensperger, erlag in Indien, R. H. Schmitt in Afrika dem Fieber. Leute, die wie niemand geeignet zu sein scheinen, klimatischen Unbilden zu trotzen, fallen unter der fremden Sonne. Nicht minder schwer wie die früheren ist der letzte Verlust. Denn mit Josef Enzensperger ging einer der ersten Vertreter des modernen Alpinismus dahin, des modernen Alpinismus, wie er sein soll. Aus eigener Kraft, mit Anwendung aller Mittel, die uns geistige Bildung und höchste körperliche Erziehung verleihen, in den Alpen das zu leisten, was ein energischer und dabei niemals die Gebote der Vorsicht außer acht lassender Mensch erreichen kann, dieses Ideal sahen wir in Enzensperger in schönster Weise verkörpert. Seine seltene körperliche Gewandtheit und Kraft, seine Ausdauer und sein unbeugsamer Wille ließen ihn siegreich aus vielen heißen alpinen Kämpfen hervorgehen. Unsere Blicke haften immer noch bewundernd an den Glanzstücken seiner Leistungsfähigkeit, der Bezwingung der Südwand der Trettachspitze im Allgäu und der Nordwestwand der Kleinen Halt im Kaisergebirge. Wer solches Terrain, wo wie nirgends die Natur dem kleinen Menschen ein unerbittliches Halt entgegenzurufen scheint, im ersten Anlaufe siegreich überwindet, der muß höchstes Können und unerschütterlichen Mut sein eigen nennen. Wer aber unseren Enzensperger für einen jener Kletterakrobaten gehalten hätte, die dem modernen Alpinismus als unschöner Anhang beigesellt sind, der würde sich gewaltig irren. Nichts Einseitiges war an ihm, sondern Harmonie in seinem ganzen Wesen. Ebenso wie er Freude an der Überwindung von Schwierigkeiten hatte, so leuchteten seine Augen beim Anblicke der Bergesherrlichkeit, so hatte dieser belesene und geistreiche Mann gründliche Kenntnisse alles Wissenschaftlichen, was mittelbar oder unmittelbar mit dem Alpinismus zusammenhängt. Bei allen seinen Erfolgen blieb er stets liebenswürdig und bescheiden, Renommistereien waren ihm in der Seele verhaßt, niemals stellte er sich höher als andere. Nur wer das Glück hatte, gemeinsam mit ihm Bergtouren zu unternehmen, der weiß, wie er der zuverlässigste, auch in schwierigen Lagen nie versagende Begleiter, der liebevollste, sorgsamste Freund und der anregendste, über alles orientierte Plauderer war. Die Dispositionen zu einer Tour waren von ihm stets fein durchdacht, sein Orientierungssinn ließ ihn nie im Stiche. In schwierigem Terrain arbeitete er mit solcher Ruhe und Vorsicht, so ohne jede Überhastung, daß jeder seiner Begleiter den Eindruck gewinnen mußte, sich in vollster Sicherheit zu befinden. Es ist hier nicht die Stelle, seine Verdienste um die meteorologische Wissenschaft zu feiern. Jedenfalls hatte Enzensperger sich trotz seiner Jugend in der wissenschaftlichen Welt schon einen ehrenvollen Platz errungen, die glänzendste Zukunft stand ihm offen.
Seine Bedeutung als Alpinist ist den Lesern dieser Blätter wohlbekannt. Der Schauplatz seiner Tätigkeit waren hauptsächlich die nördlichen Kalkalpen, auch die Dolomiten. Seine Lieblingsgebiete waren das Allgäu und das Kaisergebirge. Über diese beiden Gebiete schrieb er auch seine bekanntesten Werke, die Monographie des Kaisergebirges und die Monographie der Höfats. („Zeitschrift" 1896 und 1897.) Außer diesen Werken hat Enzensperger in alpinen Zeitschriften, in Alpenvereinsvorträgen und auch in der Tagespresse seine Erlebnisse und Erfahrungen publiziert und reichen Beifall geerntet. Die Zahl der von Enzensperger ausgeführten Bergtouren ist eine gewaltige. Seine sehr zahlreichen Erstlingstouren sind folgende:
Im Allgäu: Öfnerspitze (Ostgrat), Trettachspitze (Südwand und Westwand), Höfats (Ostwand), Kleine Höfats, Großer Wilder (Westwand), Fuchskarspitze (I. Ersteigung und I. Durchkletterung der Westwand), Wilder Mann (Westgipfel), Sattelspitzen (vom Glasfeldkopf), Nebelhorn (Nordwestgrat), Widdorstein (Nordwand). Im Tannheimer Gebirge: Rote Fluh (Ostgrat), Köllespitze (Westgrat). In der Hornbachkette: Großer Krottenkopf (Nordgrat und Eisrinne der Nordwand). Im Wetterstein: Zugspitze (Südostgrat und aus dem oberen Weißtale), Mittlere Wetterspitze, Schneefernerkopf (über den Grat von der Zugspitze, sowie Südgrat und Südostwand). Im Karwendel: Spritzkarspitze (Nordwestwand und Nordgrat), Hochglück (Nordostgrat), Barthspitze (Ostgrat und Westgrat), Schafkarspitze (Nordwand und Westgrat).
Im Kaisergebirge: Tuxeck, Kaiserkopf (Ostgrat), Kleine Halt (Nordwestwand), Totenkirchl (aus dem Schneeloch), Regalpspitze (von der Regalpwand und Ostseite), Hintere Gamsflucht. In den Dolomiten: Grohmannspitze (Nordostgrat), Puezspitze (von der Forcella della Roa).
Auch im alpinen Vereinsleben war Enzensperger tätig: als Nachfolger Kraffts war er Mitte der Neunzigerjahren I. Vorstand des Münchener akad. Alpenvereins, der unter seiner Leitung mächtig erstarkte.
Enzensperger war im Jahre 1873 zu Rosenheim in Oberbayern geboren und genoß nach glänzend bestandenem Gymnasialexamen den Vorzug, in das Maximilianeum zu München aufgenommen zu werden. Dort sollte er dem Studium der Jurisprudenz obliegen, an dem er jedoch nicht den geringsten Gefallen fand. Ihn zog es hinaus in die freie Natur, auf die Berge, zugleich erwarb er sich durch fleißige Lektüre schon damals reiche naturwissenschaftliche Kenntnisse. Es war ihm eine Erlösung, als er nach vierjährigem Aufenthalte im Maximilianeum den öden Pandekten Lebewohl sagen und sich seinem Lieblingsfache, den Naturwissenschaften, zuwenden konnte.
Nach bestandenem Examen in Mathematik und Physik fand er in der meteorologischen Zentralstation München Anstellung und wurde in kürzester Zeit zum Adjunkten befördert. In dieser Stellung war er vom Juli 1900 bis Juli 1901 als erster Beobachter auf dem Observatorium der Zugspitze tätig und wurde in dieser Eigenschaft auch in außerwissenschaftlichen und außeralpinen Kreisen populär. Noch auf seiner Zugspitzwarte erhielt er die ehrenvolle Berufung zur Teilnahme an der Südpolarexpedition, von der er nicht mehr zurückkehren sollte.
In fremder Erde ruhen seine sterblichen Überreste. Ihm ist wohl. Wir aber trauern um ihn als der Besten einen, den uns der Tod entrissen auf dem Höhepunkt seines Wirkens, gerade dann, als sein wissenschaftlicher Stern am schönsten zu leuchten begann. Mitten in der Arbeit, im schönsten Alter, fiel er wie der Soldat in der Schlacht. Sein Name wird in der Geschichte des Alpinismus unauslöschlich, seine Treue und Lauterkeit seinen Freunden unvergeßlich sein.
Kempten, 20. April 1903. Dr. Max Madlener.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1903, Seite 98-99

Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Seite 118

Gedenktafel für J. Enzensperger auf der Zugspitze.
Die S. München hat für den fern seiner Heimat im Dienste der Wissenschaft viel zu früh dahingegangenen Hochalpinisten J. Enzensperger, den ersten Beobachter auf der meteorologischen Station auf dem Zugspitzgipfel, eine Gedenktafel an dem meteorologischen Beobachtungsturme auf der Zugspitze anbringen lassen, deren feierliche Enthüllung am 7. August um 9 U. vormittags (bei jedem Wetter) erfolgen wird. Die Gedenktafel, welche 1,0x0,70 m mißt, ist ein Werk von Prof. Heinrich Wadere , der Erzguß ist von C. Leyrer hergestellt.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1904, Heft 14, Seite 174

Josef Enzensperger "Ein Bergsteigerleben"
Von Dr. A. Dreyer
Am 2. Februar 1903 erlag einer tückischen Krankheit, fern der Heimat, auf den einsamen Kerguelen eine der liebenswertesten Bergsteigergesialten, Josef Enzensperger. Ihm, dem ersten Beobachter auf der Zugspitze, stand eine glänzende wissenschaftliche Laufbahn offen, die sein früher Tod zu Nichte machte. In der Geschichte der Erschließung unserer Alpen ist sein Name mit unvergänglichen Lettern eingegraben und den Akademischen Alpenverein München führte er als würdiger Nachfolger Krafft's zu herrlichen Erfolgen.
Kein Wunder, daß der "Akademische" nach seinem Tode alsbald den Gedanken hegte, die Verdienste seines Führers zu ehren, sein Andenken der Mitwelt zu erhalten und den Nachkommen zu überliefern. Wie aber konnte dies besser geschehen als durch die Herausgabe seiner hinterlassenen alpinen Schriften und Vorträge einschließlich der Reisebriefe und des Kerguelen-Tagebuchs? Sie spiegeln in zeitlicher Anordnung ein Bergsteigerleben, das die Alten froh anheimelt und die Jungen zur Nacheiferung fortreißt. Das mit zahlreichen Bildern geschmückte Werk fand daher auch eine freudige Aufnahme und war in einigen Jahren rasch vergriffen.*)
Der von vielen Seiten und immer häufiger geäußerte Wunsch nach einer Neuauflage mußte infolge des Krieges und der betrübenden wirtschaftlichen Verhältnisse nach demselben von Jahr zu Jahr verschoben werden und konnte erst jetzt (im Verlag des Alpenfreund, München) erfolgen. Mit der Neuausgabe betraute der Akademische Alpenverein seine Mitglieder Ernst Enzensperger (den Bruder des Verblichenen, der insbesondere als vorzüglicher Organisator des Jugendalpenwanderwesens bestens bekannt ist), ferner L. Kleintjes, Max Rohrer und E. v. Siemens. Einteilung und Wortlaut der Enzenspergerschen Texte blieben unverändert, dagegen wurde die biographische Einleitung unter Beiziehung des Bergtagebuches und anderer Quellen wesentlich erweitert. Die Übersiedlung seiner Familie nach Sonthofen 1887 weckte die bergsteigerischen Neigungen des Knaben und als Sechzehnjähriger bestieg er bereits 11 Gipfel des Allgäus, darunter Daumen, Widderstein und Mädelegabel. Sein Tourenbuch begann 1890 mit der Zugspitze. Der Hauptschauplatz seiner Bergfahrten blieben die Nördlichen Kalkalpen, doch bevorzugte er das Allgäu (wo ihm die Überschreitung der gesamten Mädelegabelgruppe 1894 die Bezwingung der Trettachspitze über die Südwand gelang) und den Kaiser, wo seine Glanzleistung des folgenden Jahres, die Bezwingung der Kleinen Halt vom Totensessel über die Nordwestwand, berechtigtes Aufsehen erregte. Ein
einziges Mal führte ihn eine achttägige Fußreise auch in die Schweiz.
Mit seinen Bergsiegen wuchs seine Unternehmungslust: mit Vorliebe wandte er sich schwierigen Felstouren zu und entwickelte sich — wie die biographische Einleitung betont — rasch zu einem führerlosen Kletterer von hohem Rang. In den Dolomiten zeigte er sich u. a. auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit in der Alleintour auf die Fünffingerspitze. (Schmittkamin-Daumenscharte). Rühmenswert für jene Zeit sind auch verschiedene Winterersteigungen, so auf die Höfats (Ostgipfel über den Südostgrat), eine verwegene Winterfahrt.
Mit Albrecht v. Krafft und 10 anderen Münchener Studenten gründete er im November 1892 den Akademischen Alpenverein. Nach dem Rücktritt Kraffts leitete er das Vereinsschifflein als kundiger und umsichtiger Steuermann 5 Semester lang. Seinen Bergkameraden war er ein vortrefflicher Führer und lieber Genosse, der "den Gedanken unbedingter Freundestreue auf Leben und Tod" als höchstes ethisches Gesetz des Bergsteigers verkündete. Auf seine jüngeren Genossen wirkte sein Beispiel vorbildlich und Georg Leuchs bekräftigt, daß die bergsteigerische Schule des A.A.V. München auf Enzensperger zurückgeht.
Auf der Zugspitze erinnert noch heute eine prächtige Gedenktafel an den ersten Wetterwart daselbst, der von da aus von Erich Drygalski als Teilnehmer zur Südpolarfahrt berufen wurde. Die Einrichtung der meteorologischen Station auf den Kerguelen ist sein Werk. Seinem rastlosen Wirken daselbst weihte Drygalski herrliche Worte der Erinnerung, die auch das vorliegende Buch uft nahm. Die Reisebriefe an die Seinen atmen fröhliche Zuversicht und innige Anhänglichkeit. Nicht ohne tiefe Wehmut kann man die letzten Aufzeichnungen in seinen Tagebüchern lesen, die immer noch von leiser Hoffnung auf Genesung erfüllt sind. Den Hauptinhalt des „Bergsteigerlebens" bilden die alpinen Schriften Enzenspergers.
Er ist ein meisterhafter Schilderer, ebenso weit von jeder Beifallshascherei wie von Großsprecherei entfernt, dabei doch höchst anschaulich und von gründlicher Belesenheit. Zur rechten Zeit blitzt auch in den Erzählungen seiner Fahrterlebnisse ein goldiger, zu Herzen dringender Humor auf.
Der Verlag hat das Werk vornehm und prächtig ausgestattet, so dass es jeder Bücherei Zur Zierde gereicht. Die Bilderbeigaben zu seinen Schilderungen sind vorzüglich zu -nennen und schmiegen sich denselben glücklich an. Für den biographischen Teil stellte Meister Platz seine Skizzenbücher zur Verfügung, die uns den alpinen Helden bei der Arbeit zeigen.
Alles in allem: die neue Auflage stellt sich den besten alpinen Werken zur Seite und belebt das Andenken an einen hervorragenden Bergsteiger, der leider schon in der Fülle seiner Kraft allzu früh uns und dem Alpinismus entrissen wurde.
*) Ein Bergsteigerleben. Alpine Aufsätze und Vorträge, Reisebriefe und Kerguelen-Tagebuch von Josef Enzensperger. Hrsg. vom Akademischen Alpenverein München. 2. verm. und veränd. Aufl. Alpenfreund-Verlag. München. — Preis M 25,--
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1925, Seite 112

Josef Enzensperger.
Am 2. Februar jährte sich zum 25. Male der Todestag dieses liebenswürdigem und vortrefflichen Bergsteigers, der, noch nicht ganz 30jährig, auf den Kerguelen im Dienste der Wissenschaft ein frühzeitiges Ende fand. Eine Gedenktafel auf der Zugspitzwetterwarte mahnt an ihn, und noch mehr hält sein Gedenken wach das prächtige Buch „Ein Bergsteigerleben" (2., vermehrte Auflage, 1924), in welchem Freundeshand alle seine Aufsätze und Vorträge über Erstersteigungen und neue Touren in verschiedenen Teilen der Ostalpen, insbesondere in den Allgäuern und im Kaiser, sammelte und „dem Toten zur Ehr“, der alpinen Jugend zum Vorbild, herausgab.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1928, Seite 54

der Geburtstag Joseph Enzensperger (8. Februar 1873 in Rosenheim), bekannt geworden durch seine kühnen Fahrten im Allgäu, im Kaiser und in den Dolomiten, jährte sich zum 75. Male.
Quelle: Mitteilungen des DAV 1948, Seite 39

Quelle: Mitteilungen des DAV 1977, Seite 70 und 82

Josef Enzensperger
Vita *8. 2. 1873 Rosenheim, t2. 2. 1903 Kerguelen-Inseln (Antarktis). Josef Enzensperger kam schon wenige Tage nach seiner Geburt mit der Familie nach Franken, später nach Markt Schwaben bei München. 1887 siedelten die Eltern nach Sonthofen über. Be¬such des Gymnasiums in München. Wegen ausgezeichneter Schulleistungen Stipendium am Maximilianeum. Vom juristischen Studium wandte sich Enzensperger naturwissenschaftlichen Studien zu und wählte schließlich als Spezialfach Meteorologie.
Chronik Sein Tourenbuch beginnt mit Wanderungen in den Vorbergen. 1889 bestieg der Sechzehnjährige elf Gipfel in den Allgäuer Alpen. 1891 achttägige Fußreise in die Schweiz und 28 Gipfel in den Allgäuer Alpen, darunter seine schwierigen Lieblingsberge Trettachspitze und Höfats. 1892 kam er ins Kaisergebirge und machte seine einzige Tour in Begleitung eines Bergführers: die Überschreitung der Drei Halten. Es folgten weitere Kaiser¬touren: Totenkirchl, 13. Ersteigung, und Hintere Karlspitze durch die Winkler-Schlucht. Enzensperger entwickelte sich zu einem der profiliertesten Vertreter des führerlosen Bergsteigens und der Wintertouristik. Er war einer der zwölf Studenten, die am 12. November 1892 den Akademi¬schen Alpenverein München gründeten. Als Nachfolger von Krafft war er fünf Semester lang erster Vorsitzender. Auf seinen Rat wurde die unbewirtschaftete Hermann-von-Barth-Hütte in der Hornbachkette in den Allgäuer Alpen erbaut. Als erste Neutour gelang ihm 1892 die Erstersteigung des Öfelekopfes im Wettersteingebirge über die Westwand. Im Sommer 1893 wurden Dreitausender in den Zillertaler Alpen, wie Zsigmondy-Spitze, Großer Greiner und Thurnerkamp, bestiegen. In den Allgäuer Alpen: Begehung des Nordgrates am Höfats-Hauptgipfel. 1894 ging es nach einigen Kaiserfahrten in die Dolomiten. Die schwierigste Tour war die zehnte Besteigung des Winkler-Turms. Im Herbst gab es noch einige Neutouren in den Allgäuer Alpen. Erste Überschreitung der vier Höfatsgipfel von West nach Ost, Hochfrottspitze-Südwestgrat und die als »schwierigste Klettertour ihrer Zeit« bewertete Südwand der Trettachspitze. 1895 war Enzenspergers erfolgreichstes Bergsteigerjahr: Im Kaisergebirge gelangen: erste Winterersteigung der Trettachspitze, erste Ersteigung der Hinteren Gamsflucht und der Kleinen Halt über die Nordwestwand. In den Allgäuer Alpen: erste Begehung der Trett-achspitze-Westwand und erster Abstieg vom Höfats-Ostgipfel über die steile Graswand nach Osten. In den Dolomiten: Grohmannspitze-Nordostgrat. 1900 war Enzensperger der erste Wetterwart auf der Zugspitze und überwinterte auf dem Gipfel. 1901 nahm er als Meteorologe an der Deutschen Südpol-Expedition teil und erlag auf den Kerguelen der Beriberi-Krankheit. Fritz Schmitt
Quelle: Der Bergsteiger 1984, Heft 12, Seite 99-100

Enzensperger Josef ?Enzian?, * Rosenheim, später Franken, Markt Schwaben bei München,
1887 Sonthofen im Allgäu
+ Kerquelen (Antarktis) an Tropenkrankheit "Beriberi"
Mit 14 Jahren zog Enzensperger mit seiner Familie nach Sonthofen. Dort verbrachte er seine Jugend und kam schon früh in der Allgäuer Bergwelt mit dem Klettern in Berührung. Nach seinem Schulbesuch konnte er an der Universität München Jura studieren. Später wechselte er zur Naturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Meteorologie. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit wurde Enzensperger durch über 30 Erstbesteigungen u.Erstbegehungen bekannt,z. B. an der Zugspitze, Gesamtüberschreitung von der Zugspitze zum Schneefernerkopf und Zugspitze-Südostgrat im Abstieg, 1892 der Öfelekopf (Wettersteingebirge) und 1894 die Kleine Halt im Kaisergebirge. Sigmund von Reuß und Josef Enzensperger standen 1895 als erste auf der Hinteren Gamsflucht.
Mit 27 Jahren überwinterte Enzensperger 1900 als erster Beobachter der meteorologischen Hochstation auf der Zugspitze. Im darauffolgenden Jahr schloss er sich der ersten deutschen Südpol-Expedition von Erich von Drygalski in die Antarktis an. Im Rahmen dieser Expedition überwinterte er 1903 mit vier weiteren Forschern in einer wissenschaftlichen Station auf den Kerguelen in der Antarktis unabhängig von der Hauptexpedition. Bei der Überwinterung starb Josef Enzensperger am 2. Februar 1903 an der Vitaminmangelerkrankung Beriberi.
Die Bucht Bras Enzensperger auf den Kerguelen ist nach ihm benannt.
1892 war Enzensperger einer der Mitbegründer des Münchner Akademischen Alpenvereins.

1891 Best.28 Gipfel in den Allgäuer Alpen
1891 Best.Trettachspitze,2595m, (Allgäuer Alpen)
1891 Best.Höfats,2269m, (Allgäuer Alpen)
1892 Beg.Überschreitung der Drei Halten,2344m, (Wilder Kaiser)
1892 17.Best.Totenkirchl,2193m, (Wilder Kaiser)
1892 2.Best.Hintere Karlspitze "Winklerschlucht",2283m, (Wilder Kaiser)
1892 2.Beg.Totenkirchl "Winklerschlucht",2190m, (Wilder Kaiser)
1892 1.Best.Öfelekopf-Ostgipfel über Westwand,III,2449m, (Wettersteingebirge)
1893 1.Beg.Großer Krottenkopf-Nordgrat,III,2657m, (Allgäuer Alpen)
1893 1.Überschreitung Höfatsgipfel von Ost nach West,III,2259m, (Allgäuer Alpen)
1893 1.Beg.Höfats-Westgipfel-Nordgrat,IV,2257m, (Allgäuer Alpen)
1893 Best.Zsigmondy-Spitze,3089m, (Zillertaler Alpen)
1893 Best.Großer Greiner,3199m, (Zillertaler Alpen)
1893 Best.Thurnerkamp,3420m, (Zillertaler Alpen)
1893 1.Überschr.Großer Krottenkopf-Südflanke/Nordgrat,2553m, (Allgäuer Alpen)
1893 1.Beg.Öfnersitze-Südostgrat,2575m, (Hornbachkette,Allgäuer Alpen)
1894 3.Beg.u.1.Alleinbeg.Totenkichl-Südostgrat im Abstieg,2190m, (Wilder Kaiser)
1894 10.Best.Winklerturm,2800m, (Rosengarten,Dolomiten)
1894 1.Beg.Hochfrottspitze-Südsüdwestgrat,II,2648m, (Allgäuer Alpen)
1894 1.Beg.Trettachspitze-Südwand "Enzenperger-Führe",IV+,600 HM,2595m, (Allgäuer Alpen)
1894 Best.Grohmannspitze,3126m, (Langkofelgruppe)
1894 10.Beg.u.Alleinbeg.Fünffingerspitze "Schmittkamin",IV+,2996m, (Langkofelgruppe)
1895 1.Winterbest.Trettachspitze,2595m, (Allgäuer Alpen)
1895 1.Beg.Grohmannspitze-Ostnordostgrat "Enzensperger Weg",IV-,3126m, (Langkofelgruppe)
1895 1.Beg.Sass de Mesdi-Westwand,2760m, (Geisler-Gruppe)
1895 1.Beg.Kleine Halt-Nordwestwand "Enzensperger Weg",III+,800 HM,2116m, (Wilder Kaiser)
1895 1.Best.Hintere Gamsflucht über Westwand,III,2203m, (Wilder Kaiser)
1895 1.Beg.Hintere Gamsflucht-Südgrat,2203m, (Wilder Kaiser) (28.06.1895)
1895 1.Überschr.(Alleinbeg.)Totenkirchl u.1.Beg.Totenkirchl-Südostgrat im Abstieg,2193m,
(Wilder Kaiser)
1895 Best.Totensesselspitze,1745m, (Wilder Kaiser)
1895 1.Beg.Trettachspitze-Westwand "Enzenperger-Führe",III,2595m, (Allgäuer Alpen)
1895 1.Beg.Höfats-Ostgipfel-Südostwand im Abstieg,IV,2257m, (Allgäuer Alpen)
1896 1.Beg.Großer Krottenkopf-Nordostwand "Eisrinne",2657m, (Allgäuer Alpen)
1896 1.Überschr.Kleine Höfats,II,2073m, (Allgäuer Alpen)
1896 1.Überschr.Kellespitze von West nach Ost,2240m,(Allgäuer Alpen)
1896 1.Beg.Piz Doledes-Westflanke,II,2908m, (Puezgruppe,Dolomiten)
1896 1.Best.Westliche Puezspitze von der Forcella della Roa,2918m?, (Puezgruppe,Dolomiten)???
1896 1.Beg.Hochglück-Nordostgrat,IV,2573m, (Karwendel)
1896 1.Beg.Spritzkarspitze-Nordwestwand "Alte Nordwestwand",III,2605m, (Karwendel)
1896 1.Überg.Spritzkarspitze zur Eiskarlspitze,2605m, (Karwendel)
1897 1.Best.Rote Flüh,2111m, über Hochwiesler,1950m, (Tannheimer Berge,Allgäuer Alpen)
1897 1.Beg.Rote Flüh-Südwand-Südostgrat,2111m, (Tannheimer Berge,Allgäuer Alpen)
1897 1.Winterbest.Höfats,2269m, (Allgäuer Alpen)
1897 1.Winterüberschr.Höfats von West nach Ost,2259m, (Allgäuer Alpen)
1897 1.Beg.(Alleinbeg.)Kellespitze-Westgrat,III,2240m, (Allgäuer Alpen)
1897 1.Beg.(Alleinbeg.)Rote Flüh-Südostgrat,II,2111m, (Allgäuer Alpen)
1897 1.Beg.Hochwiesler-Ostgrat "Normalweg",1950m, (Tannheimer Berge)
1897 1.Beg.Großer Wilder Südgipfel-Südgrat/Mittelgipfel-Westgrat,III+,2379m, (Allgäuer Alpen)
1897 1.Beg.Großer Wilder-Nordgipfel-Westwand,2370m, (Allgäuer Alpen)
1897 1.Beg.Totenkirchl aus der Winklerscharte,III,2193m, (Wilder Kaiser)
1897 120.Best.u.1.Beg.Totenkirchl-Ostwand "Enzensperger Weg" aus dem Schneeloch,III,400 HM,
2193m, (Wilder Kaiser)
1897 1.Überg.Treffauer,2304m, zum Tuxeck,2226m, (Wilder Kaiser) (14.08.1897)
1897 1.Best.Tuxeck (Tuxegg),III,2226m, (Wilder Kaiser)
1897 1.Beg.Kaiserkopf-Nordgrat,II,HM 80m,2166m,(Wilder Kaiser)
1897 1.Überschr.Predigtstuhl-Nordgipfel zum Hauptgipfel,II,2116m, (Wilder Kaiser)
1898 1.Überschr.Fuchskarspitzen-Nordgipfel,2254m,-Mittelspitze,2262m,-Madonna-Südgipfel,2314m,
(Allgäuer Alpen) (1898)
1898 1.Beg.Großer Widderstein-Nordwand,III+,2533m, (Allgäuer Alpen)
1898 2.Beg.Fleischbank-Nordgrat,II-III,800 KM,2187m (Wilder Kaiser)
1900 1.Beg.Regalpwand von Norden "Enzensperger-Führe",II,2227m, (Wilder Kaiser)
1900 1.Überschr.Regalpwand zur Regalpspitze,II,2227m, (Wilder Kaiser)
1900 1.Beg.Regalpspitze von Osten,II,2253m, (Wilder Kaiser)
1900 1.Überschr.(Alleinbeg.) Zugspitze-Schneefernerkopf,2962m, (Wetterstein)
1900 1.Beg.(Alleinbeg.) Zugspitze-Südostgrat,2962m, (Wetterstein)
1900 1.Best.(Alleinbest.) Mittlere Wetterspitze "Enzenperger Führe",III-,2746m, (Wetterstein)
1900 1.Beg.Schneefernerkopf-Südgrat/Südostwand im Abstieg,II,2875m, (Wetterstein)
1901 Teilnehmer Deutsche Südpol-Expedition,(Antarktis)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu











Geboren am:
08.02.1873
Gestorben am:
02.02.1903
application/pdf Josef_Enzensperger_-_Bergsteiger_03_78.pdf

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