Südwand - "Fiechtl/Herzog-Führe"

(Bearbeiten)
Routen Details:
Schüsselkarspitze 2537m. Erster Aufstieg über die Südwand: Hans Fiechtl und Otto Herzog am 1. Oktober 1913.
Der Einstieg befindet sich bei dem ausgeprägten etwa 80 Meter hohen Pfeiler, etwa 60 Meter rechts der Falllinie jenes weniger steilen Plattenschusses, der die sonst durchschnittlich 80° geneigte Wand in ihrer westlichen Hälfte durchzieht. An der linken Flanke des Pfeilers durch einen Riß auf seine Kante, über ein Band ein paar Meter absteigend nach rechts und durch einen kurzen engen Riß mit darauffolgender Verschneidung hinauf. Einige Meter nach rechts und einen feinen, waagrechten Riß benützend noch ein paar Meter weiter nach rechts um die Kante in eine Plattenrinne mit darauffolgendem Riß. Nach Durchkletterung desselben links hinaus an den Fuß einer überhängenden, 20 Meter hohen Plattenverschneidung. Nach ihrer Überwindung, ungewöhnlich schwierig, erst über 2 Überhänge, dann leichter auf den Kopf des Pfeilers. Nun links 25 Meter abwärts und unter gelben, überhängenden Wänden erst über eine Wandstelle, dann über ein Band links aufwärts an den Fuß eines engen, mehrfach überhängenden Risses, der auf eine an der Wand lehnende Felssäule leitet. Gleich nach rechts in die rote, brüchige Fortsetzung des Risses und mit Benützung des Seiles – Mauerhaken 18 Meter höher im Riß – ungewöhnlich schwierig, zuerst horizontal nach links, dann schräg aufwärts in eine Plattenverschneidung, und durch dieselbe zu einem Stand. Nach einigen Metern durch einen glatten und überhängenden Riß, his zu einem gewaltigen Überhang. Von hier ungewöhnlich schwierig mit Seilbenützung (Pendeln) etwa 15 Meter schräg links abwärts und nach links um eine Kante herum auf einen Rasenfleck hinüber (hier Biwak). Noch ein paar Meter äußerst schwierige Traverse über eine fast senkrechte Platte nach links um die Kante in einen Riß hinein. Hier ein paar Meter abwärts und auf schmalem Bande nach links, bis man nach nochmaligem Abseilen durch eine weitere Querung n eine 120 Meter lange Kaminreihe gelangt. Von ihrem oberen Ende über ein Band in die Schlucht, welche zur Grathöhe hinaufleitet und bis auf den Ausstieg leicht ist.
Wandhöhe etwa 450 Meter. Ungewöhnlich schwierig.
Quelle: 18. Jahresbericht (Vereinsjahr 1913) der Alpenvereinssektion Bayerland in München, 1914, Seite 101-102

An der Grenze des gerade noch möglichen betätigten sich die beiden Winter-Erstbegeher der direkten Schüsselkar-Südwand (Wettersteingebirge), Hermann Buhl (S. Innsbruck) und Hugo Vigl (S. Solbad Hall i. T.).
Die schon normalerweise äußerst schwierige (VI.) Sommerkletterfahrt bot am 27. Jänner 1948 unerhört winterliche Verhältnisse. Die Bergsteiqer hatten mit einer sonnenbeschienenen und demgemäß aperen Südwand, gutem Wetter und Vollmond gerechnet; sie trafen überall das genaue Gegenteil, Durch die wochenlange milde Föhnwetterlage, vermischt mit heftigen Schneefällen, war die ganze schwere und fast überall senkreckte Wand mit einem dicken Eis- und Schneepanzer belegt. In der Wandmitte überraschte sie heftigster Föhnsturm. Oberhalb der Nische, in zwei Drittel Wandhöhe, brach schon die Dunkelheit ein. Der bevorstehende Wettersturz zwang sie, eine Beinacht unter allen Umständen zu vermeiden, daher mußte das letzte Wanddrittel bei vollkommener Dunkelheit durchklettert werden. Nach der wilden Eis- und Schneearbeit während des ganzen Tages in der unerhört ausgesetzten Wand, forderte dies das Letzte an Können und Widerstandskraft und Einsatz. Der erwartete Mondschein blieb in dem Sturm natürlich aus und so wurde bei vollkommener Finsternis um 22 Uhr der Gipfel erreicht.
Der normalerweise als schwierig zu bezeichnende Abstieg über den total verschneiten und vereisten Westgrat brachte neuerliche unerwartete Schwierigkeiten. Um 2 Uhr setzte heftiger Schneesturm ein, Neuschnee, Dunkelheit, große Kälte und völlig vereiste Seile forderten noch immer von den beiden Bergsteiger das Äußerste im Abstieg über den Westgrat und von der Wangscharte. So konnte erst nach 10 Stunden, um 8 Uhr früh, das Scharnitzjoch wieder erreicht werden. Reine Kletterzeit für den Aufstieg 12 Stunden.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1948, Seite 14-15
Datum erste Besteigung:
01.10.1913
Gipfel:
Schüsselkarspitze
Erste(r) Besteiger(in):
Fiechtl Hans
Herzog Otto