Herzog Otto

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Biografie:
Otto Herzog — ein Fünfziger mit hundert Neuturen.
Otto Herzog oder „Rambo", wie ihn die Münchner Bergfreunde rufen, ist ein Kerl aus Kernholz, der Typ des unverwüstlichen Bergsteigers, von dem es heute leider nur allzu wenige gibt. Wer ihn kennt, wird kaum an den Fünfziger glauben, den er kürzlich auf seinen breiten Buckel lud.
Bereits fünf Jahre vor Kriegsausbruch zählte er zu den tüchtigsten Münchner Felsgehern, und schon damals begann er seine Erschließungstätigkeit im Karwendel. Kein Wunder, daß er sich alsbald dem größten damaligen Felsproblem zuwandte: der Laliderer-Nordwand. Im Sommer 1911 bezwang er die Schlüsselstelle („Ramboplatte"), mußte aber dann im Gewitterregen umkehren. Nachdem sein Gefährte abgezogen war, rief Herzog seine bergtüchtigen Geschwister herbei. In der Zwischenzeit bewältigte er allein die Nordwestwand der Lalidererspitze durch den „Rambokamin", dann folgte am 9. August mit Paula und Christian als Einöltur die Erkletterung der mächtigen Nordkante. Herzog hatte Pech, er mußte ins Manöver ziehen, und in der Zwischenzeit schnappten ihm Dibona, Nizzi und die Gebrüder Mayer
die Erstbegehung weg. Im nächsten Sommer durchstieg er mit Georg Sixt die große Mauer in der halben Zeit. Im gleichen Jahr eröffnete er im Nordzug der Palagruppe ein halbes Dutzend neuer Kletterpfade. Als einer der Allerersten warb er ferner um die Fleischbank-Ostwand und verwendete bereits damals versuchsweise Karabiner. Dann wandte er sich der Südwand der Schüsselkarspitze zu, an der Felsmänner wie Dülfer, Piaz und Preuß abgeblitzt waren. Nach einem durch schlechtes Wetter vereitelten Vorstoß griffen Herzog und Fiechtl im Oktober 1913 — also vor 25 Jahren — noch einmal an. Nach den Hauptschwierigkeiten mußten die beiden, auf knappem Grasfleckchen am Gewand hängend, die lange, kalte Nacht verbringen, aber der Erfolg war ihnen gewiß. Im Frühsommer 1914 trat „Rambo" mit Christian zum zweitenmal an, kletterte im oberen Teil ziemlich gerade zum Gipfel und stieg über die furchtbare Plattenflucht wieder ab. Eine einzigartige Leistung!
Nach dem Krieg ging Herzog trotz schwerer Verwundungen wieder äußerst schwierigen Karwendelfels an. Mit der Bezwingung der Risser Falk-Ostwand bewies er ungebrochenes Können. Von dem Dutzend Erstlingsfahrten der nächsten Jahre wiegt die abenteuerliche Bewältigung der „Ha-He-Verschneidung" am schwersten. Nach kurzer Pause holte er 1929 zur Nachlese aus. Die Dreizinkenspitze-Nordwand erhielt einen äußerst schwierigen Durchstieg zum Gipfel, und auch in verschiedenen anderen Ost- und Westalpengruppen stieß er in Neuland vor. Herzog bestieg die Calotte de Rochefort von Nordosten und den Eiger von Südwesten. 1932 offenbarte sich ihm — allerdings mit häufiger Regentrübung — die Fels- und Eiswelt des Kaukasus. Meist alleingehend, führte er 13 neue Fahrten aus. Trotz eines beim Schilaufen gebrochenen Armes füllte er das Verzeichnis seiner Neuturen weiterhin auf, und man geht kaum fehl, wenn man „Rambo" die runde Zahl von 100 erstmals begangenen Wänden und betretenen Gipfeln zubilligt. Und das erfreulichsie an Otto Herzog ist, daß er trotz dieser 100 Fahrten und seiner 50 Lebensjahre nicht daran denkt Seil, Kletterschuhe und Schier etwa in eine Ecke zu stellen.
F. Sch
Quelle: Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins 1938/39, Deutscher Bergsteigerverband im NS. Reichsbund für Leibesübungen, Folge 2 November, Seite 55-56

Geboren am:
05.10.1888
Gestorben am:
27.08.1964
application/pdf Herzog Otto - Bergsteiger 1983-12_0001.pdf

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