Kratky Eduard
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Biografie:
Eduard Kratky — 80. Geburtstag.
Am 20. Februar konnte einer der ältesten Wiener Bergsteiger, unser Mitglied Herr Direktor Eduard Kratky seinen 80. Geburtstag feiern. Er ist dank seiner steten Wanderlust einer der besten Kenner unserer Ostalpen. Möge er weiter so rüstig und lebensfroh bleiben wie bisher!
Quelle: DÖAV Mitteilungen 1936, Folge 4, Seite 104
Eduard Kratky -80 Jahre alt
Am 20. Februar 1936 beging eines der ältesten Klubmitglieder, Herr Direktor i. R. Eduard Kratky, die Feier seines 80. Wiegenfestes. Kratky, der dem Österreichischen Alpenklub seit der ersten Zeit seines Bestandes angehört, war ein unermüdlicher Bergsteiger, der so ziemlich in allen wichtigeren Gebirgsgruppen der Ostalpen zahlreiche Gipfel erstiegen hat. Sein engerer Freundeskreis setzte sich zusammen aus der Gesellschaft um weiland Dr. Bruno v. Wagner, Prof. Dr. C. Diener, den Brüdern Spody, Hofrat Georg Geyer u.a. Möge dem wackeren Klubgenossen noch ein recht befriedigender Lebensabend beschieden sein!
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1936, Folge1167, Seite 58
Eduard Kratky.
An einem schönen Frühlingstage dieses Jahres wurde ein Mann zu Grabe getragen, der es wohl verdient, daß ihm an dieser Stelle einige Worte des Gedenkens gewidmet werden. War er doch einer der ganz wenigen, die übriggeblieben waren von jenen, die als gründende Mitglieder an der Wiege des österreichischen Alpenklubs standen. Er hatte das Glück, noch in jenem goldenen Zeitalter in die Berge zu gehen, als man noch die stillen Winkel aufsuchte, als man die Hoheit der Bergwelt noch völlig in Frieden genießen konnte. Seinem Berufe nach Bankbeamter, der es im Laufe der Jahre bis zum Direktorstellvertreter brachte, benutzte er jede freie Stunde, um
zu seinen geliebten Bergen zu ziehen.
Im Gebiete der Wiener Hausberge war ihm kein Graben, kein Steig unbekannt, ebenso im niederösterreichisch-steirischen Grenzlande. In Gesellschaft gleichgesinnter Freunde, Dr. W. Fickeis, Dr. Bruno Wagners, Heinrich Heß , Georg Geyers, lauter beste Namen in der Geschichte der Erschließung der Ostalpen, führte er zahlreiche Bergfahrten aus, darunter eine ganze Reihe hervorragender Erstlingsturen. Das folgende Fahrtenverzeichnis ist sehr lückenhaft und gibt bloß einen Teil der ausgeführten Fahrten wieder, beweist aber, welch gründlicher Kenner des gesamten Gebietes zwischen Schneeberg und Bernina er war. Roch im höchsten Alter betrat er ragende Gipfel; die Wallfahrt in die Berge war ihm Herzensbedürfnis, unbeschwert von jedem Ehrgeize fühlte er sich nur dort frei und wohl; bis zum letzten Augenblicke blieben ihm die Berge seine wohlvertrauten Freunde.
Von den Bergfahrten unseres Gründungsmitgliedes Eduard Kratky, die zum Großteil in die Zeit fielen, da das führerlose Gehen begann, seien einige hervorgehoben:
Im Jahre 1878, ein Jahr nach der ersten Begehung des Wasserfallweges im Gesäuse, beteiligte sich Kratky in Gesellschaft von Otto Fischer, Dr. W. Fickeis, Dr. Sattler und Dr. Bruno Wagner an der 2. Begehung dieses damals noch völlig unversicherten Anstieges. 1879 wurde der Admonter Reichenstein bestiegen, auch diese Bergfahrt war eine der ersten, die zu diesem stolzen Gipfel der Ennstaler Alpen führte. Schon 1881 kam Kratky nach Südtirol und erstieg mit Führer Kederbacher, Bonifacio Nicolussi und Dr. Bruno Wagner die Cima Tosa, tags darauf in der gleichen Begleitung die Presanella erstmals über den Ostgrat. Bei dieser Fahrt hätte sich, wie Dr. Bruno Wagner in einem Aufsatz in den „Mitteilungen" des D.u.Ö. A.V. schilderte, fast ein schweres Steinschlagunglück ereignet. Eine Woche nach dieser Fahrt gelangte Kratky mit Dr. Bruno Wagner auf den Piz Bernina. In den folgenden Jahren wurden immer und immer wieder Bergfahrten ausgeführt und insbesondere die schönen Eisberge Salzburgs und Tirols der Reihe nach erstiegen. Im Gebiete der Niederen Tauern wurde (mit Hoffinger und Geyer) die erste Ersteigung des Kaserecks vom Görriachwinkel aus vollführt. Besonders bemerkenswert sind die Gewaltmärsche, die Kratky ausführte, so Wien - Kaiserstein (Schneeberg) in 24 Stunden und 10 Minuten, bei 17 Stunden 57 Minuten reiner Gehzeit, der Weg Mürzzuschlag - Schneealpe - Rax - Schneeberg - Payerbach in 25 Stunden. Besonders vertraut war Kratky das Zillertal und seine Berge, das er auch in der Nachkriegszeit noch wiederholt besuchte. Im Alter von 70 Jahren bestieg er mit seiner Tochter noch den Großvenediger, Sparafeld, Hochtor und Hexenturm, und mit 75 Jahren finden wir ihn auf dem Hochschwab.
Eduard Kratky war den Bergen zeit seines langen Lebens treu geblieben. Er war ein immer treuer, stets gutgelaunter und hilfsbereiter Kamerad, ein Bergsteiger im besten Sinne des Wortes.
Dr. Hermann Eißler.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1937, Folge1186, Seite 252-253
Geboren am:
20.02.1856
Gestorben am:
28.05.1937