Westwand - "Linke Kamine"
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Routen Details:
Rosengartenspitze. Neuer Durchstieg durch die Westwand. 24. Juli 1902.
Beim letzten Anstiege von der Gartllacke zum Santnerpasse bemerkt man in der Westwand der Rosengartenspitze einige hundert Meter links (nördlich) von der gewöhnlichen Anstiegsroute zwei von einander durch eine gratartige Rippe getrennte, die Wand fast in der ganzen Hohe durchreissende steile Schluchten, deren rechte (alles im Sinne des Anstieges gesehen) sich etwa in halber Wandhöhe zu einem hohen senk rechten Risse verengt. Schlechtes Wetter bestimmte Herrn R. Purek-Wien und mich in der Vajoletthütte zur Besteigung der Rosengartenspitze auf dem gewöhnlichen Wege. Auf dem Santnerpasse angekommen Ausheiterung, weshalb wir nun gern eine Überschreitung gemacht hätten. Weil uns aber die Einstiege zum Nordost- oder Südgrate zu entlegen waren, beschlossen wir durch eine der beiden oberwähnten, nicht gerade einladend aussehenden Schluchten einen Aufstieg zu versuchen und auf dem gewöhnlichen Wege abzusteigen. Das uns von der Wand trennende große Schneefeld querten wir nach links. In herrlicher Szenerie über die Randkluft zum Beginn der Doppelschlucht. Wir versuchten zuerst die linke Schlucht, in der wir wegen totaler Vereisung zurückgeschlagen wurden. Wieder zurückgekehrt, stiegen wir in der rechten hinauf. Sie verengt sich bald zu einem mindestens 40 Meter hohen, senkrechten, mannsweiten, durch zwei Blöcke verkeilten, tief in das Bergmassiv einschneidenden Riß. Durch ihn stemmten wir uns anstrengend hinauf und kletterten ziemlich knapp vor dem ihn schließenden Überhänge über die rechte Seitenwand in eine Mulde. Nun die rinnenartige Fortsetzung der Schlucht bis an ihr Ende verfolgend, kamen wir an einem Fensterl vorbei in ein kleines Schartel. Dann auf kurzem Bande nach links und direkt über die uns von dem hier breiten Nordostgrate trennende 40 Meter hohe Wand auf denselben (Steinmann). In 10 Minuten zum Ausstiege des gewöhnlichen Weges auf den Grat und über denselben zum Gipfel. Unser Weg verdient der großartigen Wildheit der Anstiegsschlucht und da er nicht mehr Zeit erfordert als der gewöhnliche, auch keine außergewöhnlichen Anforderungen stellt, öfter wiederholt zu werden.
Otto Laubheimer-Wien.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 643, Seite 226-226
Datum erste Besteigung:
24.07.1902
Gipfel:
Rosengartenspitze (Catinaccio)
Erste(r) Besteiger(in):
Laubheimer Otto
Purek R.