Südwand - "Jahn/Laubheimer"

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Routen Details:
1. Ersteigung durch Gustav Jahn und O.Laubheimer am 5.7.1903
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Seite 215
2. Begehung: j. Schramek und F. Planegger am 11.7.1904;
3. Begehung: Paul Preuß und G.v. Saar am 19.9.1913;
4. Begehung: F. Bechtold und W. Merkl am 4.8.1922;
5. Begehung: K. Schreiner, E. Hein und E. Scherer am 12.9.1923;
6. Begehung: K. Hermüller und L. Böttcher am 5.10.1924;

1. Alleinbegehung durch K. Hermüller am 25.10.1931;
1. Damenbegehung durch Toni Arnold mit N. Stärker, G. Leinweber und W. Gretner am 28.7.1935;

Große Bischofsmütze. I1 Ersteigung über die Südwand. 1. Überschreitung. 5. Juli 1903.
Hoferalpe ab 5 U. Nach einem mißglückten Versuche an der Ostseite verfolgten wir das um die Südwand des Berges ziehende horizontale Band bis ungefähr unter die Fallinie des Gipfels. Von hier aus hofften wir schräg rechts kletternd die Schroten oberhalb des Abbruches der Ostwand gewinnen zu können, doch kaum 3o Meter über dem Einstiege, zwangen die allerorts auftauchenden Überhänge zur neuerlichen Umkehr. Dem Bande noch weiter links folgend, kamen wir unter einen wenig ausgeprägten Wandvorbau, der ein Fortkommen von mindestens 50 Meter versprach. Von der oberhalb ansetzenden steilen Wand glaubten wir dann aus nächster Nähe bessere Formen erspähen zu können. Einstieg 8 U. 45. Im Verlaufe der ersten 20 Meter wurde ein Pickel, ein Rucksack sowie ein Paar Nagelschuhe zurück­ gelassen und die Terrasse oberhalb des Vorbaues nach kurzer schwieriger Kletterei erreicht. Der hier ansetzende 40 Meter hohe, senkrechte und in den obersten 10 Metern überhangende, nasse Riß bildet einen guter Prüfstein für das Kommende. Die Verschneidung der hier rechtwinklig zueinanderstehenden Wände biegt nun etwas rechts. Sie allein konnte uns, wie wir erst hier sahen, die Durchkletterung der sonst jedem Angriff widerstehenden Wand ermöglichen. Der nächste entgegentretende, 8 Meter hohe überhangende Riß (schwerste Stelle) konnte bei sehr schlechtem Stande erst nach mehrmaligen Ver­ suchen ohne Sicherung nur mittels menschlichen Steigbaumes bewältigt werden. Nach Überwindung mehrerer durchwegs sehr schwieriger Überhänge gegen einen schon sichtbaren kurzen, weit heraushangenden, feuchten Kamin. Auch hier gelang das Hinaufkommen nur durch Übereinanderstellen. Weiter über einen niederen, vorstehenden Block anstrengend hinweg und durch einen unten senkrechten, oben besser werdenden Riß auf eine kleine Terrasse (Steinmann). Mittels schwieriger Spreize über eine Platte nach rechts und schließlich durch einen seichten, sehr brüchigen Riß auf das grobe Blockwerk unmittelbar unter dem Gipfel. 11 U. 45. Ab I U. auf dem gewöhnlichen Wege und nach Ersteigung der Kleinen Mütze zurück zur Hoferalpe. 5 U. Die Tur ist entschieden die schwierigste und der sehr schlechten Stellung wegen, die wir bei Vor­nahme des menschlichen Steigbaumes an der schwersten Stelle einzunehmen gezwungen waren, auch die gefährlichste, die wir bisher unternommen.
Gustav Jahn, Otto Laubheimer, Wien
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 642, Seite 215
Datum erste Besteigung:
05.07.1903
Gipfel:
Bischofsmütze Große
Grafik:
Große Bischofsmütze- Jahnführe - Bergsteiger_90_04
Erste(r) Besteiger(in):
Jahn Gustav
Laubheimer Otto