von Westen
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Routen Details:
Stangenwand (2160m). 1. Erst, von Westen. 11. Juni 1903.
Wo die durch einen auffallend dunkeln, hohen Wasserstreifen markierte Südwand des Hauptgipfels im rechten Winkel an die Westwand des kastellartigen Nebengipfels (2136 m) angrenzt, zieht eine hohe Kaminreihe empor, welche oben in einem Felsenfenster endigt. Diese wählten wir zum Anstieg. Vom Bodenbauer ab 4 U. 50, ein Stück gegen die Trawiesalm, dann durch das Rauchtal links empor zum Einstieg der Südwandroute, die wir bis zu jener geräumigen, ebenen Terrasse (Steinmann) am Fuße der Wandstufen verfolgten. Hier Rast von 7 U. 25—8 U. 15. Während der weitere Anstieg über die Südwand sich linkerhand vollzieht (siehe Österr. Alpenzeitung“ 1900, S. 134), wandten wir uns (von nun ab mit Seil und in Kletterschuhen) am Fuße der Wandstufen 3o Meter nach rechts zu einem ganz kleinen Rasensattel. Einige Meter links davon benützt man eine seichte, oben überhangende Depression der untersten Wandstufe, um (schwierig) auf ein 12 Meter höheres Rasenband zu gelangen. Dieses zieht oben, immer schmäler werdend, nach rechts und endigt (zuletzt nicht leicht, exponiert) nach 40 Metern im untersten Teil jener hohen, zum Aufstieg auserkorenen Kaminreihe; diese ist eigentlich eine plattige Steilrinne, in deren rechter oder linker Seite oder auch in beiden enge Risse und Kamine eingeschnitten sind.
Zu unterst ist links ein enger, nasser Riß, während rechts der Kamin etwas höher oben sich zu einem lehmigen Loch vertieft. Man klettert zunächst links ein paar Meter bis zum Beginn des Risses und quert dann nach rechts hinüber; fünf Meter unter dem Lehmloch traversiert man nur wenig ansteigend nach links (sehr schwierig) in den Riß (der bei trockenen Felsen von unten aus gangbar ist), der sofort durch einen Überhang gesperrt wird; über diesen (schwierig; Rücken links, Beine rechts) empor in eine tiefe, gut gangbare Rinne. Einige eingekeilte Blöcke werden leicht direkt überklettert. Nun wird die Rinne rechts sehr tief, links verflacht sie sich. Rechts hinein in den Grund des überhangenden Spaltes, ein Stück stemmend empor (Rücken rechts, Beine links), dann in gleicher Lage horizontal heraus, sodann schwieriger Übertritt auf die linke Begrenzungsrippe, an der man ein paar Meter geradeaus emporklettert, um sofort nach rechts in die tiefe Fortsetzung des Spaltes zurückzukehren (auch direkt möglich). Nun an dessen linker, brüchiger, abdrängender Begrenzungswand (sehr schwierig) 5—6 Meter empor zur Fortsetzung des Spaltes, einem engen, tiefen, vier Meter hohen Riß, mit eingeklemmten, wackligen Steinen. (Linker Arm, dann auch linker Fuß drinnen; später äußerst schwieriges Wechseln der Extremitäten.) Nach Überwindung dieses Risses kurze Traverse links in eine schrofige Rinne (die unten links neben dem tiefen Spalt als neun Meter hoher, senkrechter, enger Riß beginnt und gleichfalls eine sehr schwierige Möglichkeit des Hinaufkommens bietet). Damit sind die Hauptschwierigkeiten zu Ende. Die Schrofen- rinne führt zu drei großen Blöcken, die wir links umkletterten; man kommt nun zu einem Schartel der rechtsseitigen Begrenzungswand (Steinmann), von wo ab die Rinne als tiefe Schlucht in großartiger Felsszenerie sich links wendet. Ein hoher Absatz (darunter Schnee und Eisreste) kann rechts auf verschiedene Weise überklettert werden. Man gelangt damit auf eine geneigte, plattendurchsetzte Terrasse, ober der sich die senkrechte, glatte Schlußwand erhebt. Etwas links von einem freistehenden, hohen Felszahn durch eine flache, plattige Verschneidung empor (schwierig; Kletterschuhe!) zu grasdurchsetzten Platten und niederen Felsabsätzen, über die wir schräg nach rechts hinaus das Gipfelplateau etwa 3o Meter links (nördlich) vom Felsenfester erreichten. 12 U. 15 (Steinmann).
Die Kamine des unteren Teiles der Steilrinne stehen an Schwierigkeit denen am Delagoturm nicht viel nach. Die Tur bietet großartige Felsenszenerien und viele originelle, schwere Kletterstellen. Sie ist von den drei Routen auf die Stangenwand die technisch schwerste.
Dr. G. Freih. v. Saar, Ing, Franz Kleinhans, Fritz v. Rieben, Graz.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 643, Seite 225
Datum erste Besteigung:
11.06.1903
Gipfel:
Stangenwand - Hauptgipfel
Erste(r) Besteiger(in):
Kleinhans Franz
Rieben Fritz v.
Saar Günther von