Hauptgipfel - Westgrat
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Routen Details:
Kuchenspitze (3170m). 1. Besteigung und Überschreitung der zwei westlichsten Gipfel, 1. Begehung des ganzen Westgrates und 1. Längsüberschreitung von West nach Ost, 1. Abstieg über den Ostgrat.
Am 3. September 1903 ab Konstanzerhütte früh 4 U. 3o, allein. Auf dem Kuchenjochsteige bis etwa 2400 Meter, und in dieser Höhe Quergang südlich zu dem Wasserfalle, der aus dem großen Kar zwischen Kuchenspitze und Fasulwand (P. 2912) herabkommt. Über gute Bänder durch die wasserüberronnenen steilen Platten. Am Fuße des Westgrates der Kuchenspitze 6 U. 30. Rast bis 6 U. 45. Nun zu einem langen breiten Bande hinauf und über dasselbe wieder etwas absteigend nach Norden gegen die steile Runse auf der Nordwestseite des Grates, die vom Kuchenjochwege gut sichtbar ist. Vor dieser Runse über eine Felsrippe steil empor. Ich verließ sie aber bald wieder und betrat ein schmales Band, das, dem unteren Bande parallel, auf die Südseite des Grates zieht. Es bricht 3 Meter tief senkrecht ab, setzt sich aber wieder leicht begehbar fort und führt zu gut kletterbaren Felsen. Über diese leicht auf die Gratschneide und zunächst auf dieser oder kurz links oder rechts ausweichend weiter. Später ging ich in die Südflanke des Grates über und querte auf schmalen Bändern, teils recht ausgesetzt, bis zu einer sehr steilen Plattenrinne, durch die ich wieder auf den Gratrücken kletterte. Nun ohne Schwierigkeiten bis zu dem Aufschwung der plattigen Gipfelfelsen und links ausweichend über rauheren Fels auf den IV. Gipfel (3105 m) der Kuchenspitze (10 U.). Kurze Rast, Erbauung eines Steinmännchens. Beim Ab stiege gegen den nächsten Gipfel nach wenigen Schritten auf dem Ostgrate in die Südwand, wo ich mich mittels einer Rebschnur über eine schwierige Steilstufe (Seilring), die übrigens nicht allzuschwer frei er klettert werden kann, abseilte. Dann über leichtere Bänder und Stufen in die Scharte auf der Westseite des III. Gipfels und in Strümpfen über die steilen Platten auf diesen. Nach Errichtung eines Steinmännchens setzte ich meine Wanderung fort. Ähnlich wie bei Gipfel IV auf der Südseite hinab und Quergang zur folgenden Gratscharte. Nun nochmals nach Süden ausweichend, dann stets auf dem Grate (es kommt noch ein kurzer schwieriger Steilabbruch) auf den II. Gipfel und über den von hier an schon oft begangenen Grat zum Hauptgipfel (11 U. 30). Hier traf ich die Führer Ladner und Falk mit je einem Turisten und zwei Führerlose, die mich schon im Anstiege vom Ferner aus und auf der ganzen Wanderung vom IV. Gipfel weg beobachtet hatten. Ab 12 U. über den Ostgrat zur Darmstädterhütte, wobei mir die führerlos gehenden zwei Herren nachfolgten.
Diese Längsüberschreitung des Kuchenspitzmassivs ist nach der Ersteigung des Patteriols über die Ostwand wohl die schönste und lohnendste Klettertur im Ferwallgebiete. Dem Kuchenspitzmassive entragen fünf Gipfel, von denen aber nur zwei, der Hauptgipfel (3170m) und der IV. Gipfel in der neuen Fcrwallkarte kotiert sind. Der fünfte, niedrigste Gipfel, der weit gegen das Kuchenjoch vorgeschoben ist (von der Konstanzerhütte aus sieht man nur Gipfel IV und V) wurde 1901 von I. Hechenbleikner und O.Sehrig direkt vom Kuchenjoch aus erklettert und dürfte seitdem nicht mehr betreten worden sein.
Viktor Sohm - Bregenz
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 644, Seite 236
Datum erste Besteigung:
03.09.1903
Gipfel:
Kuchenspitze
Erste(r) Besteiger(in):
Sohm Viktor