Nordwand

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Routen Details:
Grastallerkopf (ca. 2950m) (1. Erst.) — Grastaller Grieskogel (3167m) (1. Erst, über den Nordwestgrat). Am 31. August 1900 wanderte ich mit meinen Clubbrüdern Dr. Adolf Hintner, Dr. Adolf Posselt, Dr. Alois Walde und Herrn Seff Hertl von Larstig im Horlachthale aus durch das herr­liche, einsame Larstigthälchen einwärts. Im Hintergründe wendeten wir uns gegen Südwesten aufwärts und erstiegen über steile Schutt- und Grashänge, zuletzt über etwas plattige Felsen den das Grastallthal vom Larstigthale scheidenden Kamm, den wir hinter dem südlich vom weiten Kreuzjöchl (2644 m) kühn aufragenden Gratkopf erreichten (3 1/2 St.). Nun erkletterten wir zuerst über den Grat, dann ein gutes Stück an der Westseite ausweichend, schliesslich von Westen her über steile Platten den kühn auf­ ragenden, schmalen Scheitel des ziemlich selbständigen Grastallerkopfes (1/2 St.). Dieser ist ein kühner Felsthurm, der durch einen schartigen, jedoch wenig eingesenkten Plattenkamm mit dem Grastaller Grieskogel nach Süden hin in Verbindung steht. Der schmale Kamm führte uns in luftiger, anregen­ der Kletterei an den schräg zu ihm herabziehenden Plattenpanzer des Grastaller Grieskogels. Diese Nordflanke ist sehr steil und glatt und von schmalen Schneebändern durchzogen. Gegen Nordwesten bricht die Plattenflucht in scharfer Kante, welche die Fortsetzung des Grates andeutet, in die tiefen Abgründe zum Grastallthale hinab. Zuerst etwas links ausbiegend, erkletterten wir über die ungemein glatten, vom Neuschnee noch schlüpfriger gemachten Platten diese Kante, welche, in senkrechte Abschnitte getheilt, mit schwieriger Kletterei uns ein gutes Stück emporbrachte. Zuletzt schwingt sich diese in senk­ rechtem Aufbau zu einem Gratkopfe auf, der das nordwestliche Ende des ziemlich langgestreckten Gipfel­ grates bildet. Von einem kanzelartigen Vorsprunge am Ende der Plattenkante gelang es mir, vermittelst einer sehr schwierigen Traverse gegen rechts hinaus, einem flachen, überhängenden Kamin mit spärlichen Griffen und einem äusserst ausgesetzten Quergang zurück den glatten, direct unersteiglichen Felsaufbau zu überwinden und über einen senkrechten, aus lockeren Blöcken gebildeten Kamin den Vorkopf zu er­ reichen (1 1/2 St.). Da für meine Begleiter dieser Weg kaum durchführbar, querten sie von der Kanzel auf schneebedecktem, schmalem Plattenbande in etwas unangenehmer Kletterei in die Nordostflanke hinein und erreichten in mühsamer Arbeit über die schlüpfrigen, schneebedeckten Plattenhänge den Grat südlich des Vorkopfes (3/4 St.). Weiter ging es zuerst etwas an der Westseite querend, später auf luftiger Grathöhe in nicht leichter, doch sehr anregender Kletterei, oft sehr exponiert, südwärts zum nordwestlichen Gipfel (2 St.) und über eine senkrecht eingeschnittene Scharte mit guten Griffen hinüber zum höchsten Gipfel des Grastaller Grieskogels (1/4 St.). Von hier aus erreichten wir noch über den Verbindungs­kamm den östlich hochaufragenden Strahlkogel (3290m) in hübscher, anregender, nicht allzuleichter Felskletterei (1 1/2 St.). Der Abstieg führte uns zurück zur tiefsten Gratsenke zwischen den beiden Bergen und über die von Geröllstreifen durchzogene Südflanke hinab auf den Grastallerferner (2 St.), von dem wir über die Thalstufe an seinem nördlichen Ufer gerade noch vor Einbruch der Nacht glücklich hinunter­ fanden. — Der Strahlkogel bietet herrliche Aussicht, besonders sind die Tiefblicke gegen Norden hinab ergreifend.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1901, Folge 574, Seite 020
Datum erste Besteigung:
31.08.1900
Gipfel:
Grastaller Grieskogel
Erste(r) Besteiger(in):
Hertl Seff
Hintner Adolf Dr.
Posselt Adolf Dr.
Walde Kurt