Diener Carl Dr.

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Biografie:
Dr. Karl Diener (+).
Der Wiener Universitätsprofessor Hofrat Dr. Karl Diener ist am 6. Januar im Alter von 65 Jahren infolge Herzschwäche nach überstandener Bauchtumoroperation gestorben. — Alpine Würdigung folgt.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1928, Seite 15

Professor Dr. Karl Diener (+)
Unter jenen Männern der Wissenschaft, die sich die Erforschung der Natur zum Lebensziele gewählt haben, finden sich nicht wenige, die durch ihre jugendliche Begeisterung für unsere Alpen diesem Zwecke zugeführt worden sind. Es war insbesondere die durch Professor Simony, dem altbewährten Erforscher des Dachsteingebirges, gepflegte, auf geologischer Grundlage fußende Richtung der Geographie, die auf die jungen Bergsteiger jener Zeit anziehend wirkte und auf deren Naturempfinden und Wissensdrang einen anregenden Einfluß ausübte.
Zu diesen Männern zählt in hervorragendem. Maße der am 6. Januar nach langem und qualvollem Leiden verstorbene o. Professor der Paläontologie an der Wiener Universität Dr. Karl Diener, dessen Hingang sowohl in den Kreisen der Wissenschaft als auch in jenen seiner alpinen Freunde eine empfindliche Lücke zurückgelassen hat.
Geboren im Jahre 1862 als der Sohn eines kunstsinnigen Wiener Industriellen, der dem Knaben schon frühzeitig die Liebe zur Alpenwelt einzupflanzen verstand, absolvierte er 1879 mit Auszeichnung das Landstraßer Gymnasium und wandte sich sodann naturwissenschaftlichen Studien an der Wiener Universität zu. Diese fanden ihren Abschluß im Jahre 1883 durch seine Promotion zum Doctor phil. sub auspiciis imperatoris auf Grund einer Dissertationsarbeit über das Zemmtal in Tirol.
Im Jahre 1906 zum Ordinarius der Lehrkanzel für Paläontologie ernannt, bekleidete er 1919/20 die Würde eines Dekans der philosophischen Fakultät und wurde 1922 zum Rektor magnificus der Wiener Universität erwählt.
In dieser hohen Stellung erwarb er sich durch sein mannhaftes Auftreten die Zuneigung der national fühlenden akademischen Jugend, was noch anläßlich der Trauerfeierlichkeit nach seinem Hinscheiden ergreifenden Ausdruck fand. Dieners Beziehungen zur Alpinistik waren innig verknüpft mit wissenschaftlichen Studien, die ihn allmählich mit der Welt des Hochgebirges, nicht allein mit den gesamten Ost- und Westalpen, sondern auch mit überseeischen Gebieten, sogar mit dem Himalaja, vertraut gemacht haben.
Schon als Siebenjähriger von seinem Vater in die Voralpen eingeführt, wodurch ihm die Liebe zur Alpenwelt eingepflanzt wurde, lernte er bald das angrenzende Hochgebirge kennen, bestieg mit Lokalführern schon mit 16 1/2 Jahren den Watzmann und das Kitzsteinhorn und stand als Jüngling bereits auf dem Zermatter Weißhorn.
Am alpinen Vereinsleben nahm er zuerst in der S. Austria des D. u. Ö. A.-V., dann aber im Österreichischen Alpenklub teil, wo er einem Kreise gleichgesinnter aktiver Bergsteiger angehörte und bald zum Präsidenten dieses Klubs gewählt wurde (1887 bis 1903). Seine bergsteigerische Laufbahn wurde glänzend eingeleitet durch eine im Jahre 1881 mit dem damals noch wenig bekannten Hans Stabeler aus Sand in Taufers als einzigen Begleiter ausgeführte Reihe von Hochtouren in den Ostalpen, wobei nicht weniger als 23 Gipfel in den Hauptgruppen bestiegen worden sind.
In den folgenden Jahren wandte er sich mit seinen Freunden Gebrüder Zsigmondy, L. Purtscheller, L. Friedmann, A. Boehm und H. Eißler immer mehr führerlosen Touren zu, hauptsächlich in den Zillertaler Alpen und in den Dolomiten, deren meiste Gipfel bestiegen wurden und zu denen er stets getreu wiederkehrte. Den Piz Bernina bestieg er schon 1883.
Das Jahr 1885 war einer Expedition nach dem Libanon und Antilibanon mit einer Besteigung des Großen Hermon (2750 m) gewidmet.
Mit L. Purtscheller gelang ihm 1888 eine Reihe von führerlosen Hochtouren in den Penninischen Alpen, so der Grand Combin, woran sich von Zermatt aus Besteigungen des Matterhorns, Rimpfischhorns, Weißhorns und Strahlhorns anschlossen. Auch im darauffolgenden Jahre lagen seine Hauptziele in den Westalpen, wo Grivola, Gran Paradiso und Monte Viso bezwungen wurden.
In Begleitung seines Freundes A. Holzhausen besuchte er 1889 die Hauptgipfel der Sappadagruppe in den Dolomiten und verfaßte für die „Zeitschrift" des D. u. O. A.-V. eine Monographie dieses bis dahin wenig bekannten Gebirges.
Von entscheidender Bedeutung für Dieners wissenschaftliche Laufbahn war dessen im Auftrage der Akademie der Wissenschaften in Wien im Verein mit der englisch-indischen Regierung im Jahre 1892 ausgeführte, wissenschaftlichen Zwecken dienende Expedition in den Zentral-Himalaja, wo der Gipfel des Kungribingri (5834 m) erreicht werden konnte.
In diese Zeit fiel auch seine Mitarbeit an der von unserem Verein unter der Redaktion Ed. Richters herausgegebenen, 1894 erschienenen „Erschließung der Ostalpen". K. Dieners jahrelang fortgesetzten geologisch-tektonischen Studien in den Ostalpen fanden ihren Abschluß in dessen 1903 erschienenem synthetischen Werk: „Bau und Bild der Ostalpen und des Karstes."
In den folgenden Jahren zog es ihn wieder mächtig in die Eiswelt der Westalpen. So traversierte er 1908 den Montblanc und erstieg 1910 die Jungfrau aus dem Aletschbecken und die Dufourspitze des Monte Rosa von der Betempshütte. 1912 stand er zum letztenmal auf Tiroler Hochgipfeln von über 3000 m, auf dem Wilden Freiger und dem Fluchtkogel. Dieners reges geographisches Interesse bekundete sich auch in zahlreichen weiten Reisen als Teilnehmer an den verschiedenen Tagungen des Internationalen Geologenkongresses in Washington, Petersburg, Stockholm, Toronto, Mexiko und zuletzt 1926 in Madrid, wobei jedesmal im Anschluß an die Tagungen größere Exkursionen durchgeführt wurden. Daneben liefen immer wieder Reisen in den Orient oder in die nordischen Länder und noch knapp vor dem Kriege eine Weltreise durch Sibirien nach Japan und über die hawaiischen Inseln nach dem nordamerikanischen Kontinent.
Dieners Einstellung zur Alpinistik fußte vorwiegend auf ethischen und ästhetischen Momenten — die sportliche Seite galt ihm nur als Mittel zum Zweck. Innige Huldigung der erhabenen Schönheit des Hochgebirges, aber auch der lieblichen Reize der Voralpenlandschaft bildeten immer die Triebfeder für seine bergsteigerischen Unternehmungen.
G. Geyer. '
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1928, Seite 69-70

1873 Best.Großer Greiner,3201m, (Zillertaler Alpen)???
1879 Best.Watzmann,2713m, (Bertesgadener Alpen)
1879 Best.Kitzsteinhorn,3203m, (Glocknergruppe, Hohe Tauern)
1881 1.Beg.Zsigmondyspitze (Feldkopf )-Südwestkante,3087m, (Zillertaler Alpen)
1881 1.Beg.Zsigmondyspitze-Südostgrat oberer Teil,II+,3087m, (Zillertaler Alpen)
1881 1.Best.Floitenturm über Gersteck,2805m, (Zillertaler Alpen)
1881 Best.Königspitze,2859m, (Ortlergruppe)
1882 1.Best.Muttenock,3076m, (Zillertaler Alpen)
1882 1.Best.Breitnock,3215m, (Zillertaler Alpen)
1882 1.Best.Vierte Hornspitze,3195m, (Zillertaler Alpen)
1882 1.Beg.Sonnenwelleck-Hauptgipfel-Südwestwand,3261m, (Glocknergruppe,Hohe Tauern)
1882 1.Winterbest.Admonter Reichenstein von der Südseite,2251m, (Ennstaler Alpen,Gesäuse)
1882 4.Best.u.1.Winterbeg.Großer Ödstein Südwestgrat „Kirchengrat“,III,
995 HM,2335m, (Gesäuse)
1882 1.Beg.Fuscherkarkopf Nordwestgipfel-Südwestgrat „Gamsgrubengrat",
3252m, (Glocknergruppe,Hohe Tauern)
1882 1.Beg.Hinterer Maurerkeeskopf-Direkter Ostgrat,3311m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1882 1.Beg.Mittlerer Maurerkeeskopf-Südabstieg,3281m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1883 1.Überschr.Prager Hütte-Grossvenediger,3673 m,-Hohes Aderl,3501 m,-Rainerhorn,3559 m,-
Krystallkopf,3513 m,-Hoher Zaun,3447 m,-Krystallwand,3329 m,-Hinterer Klexenkopf,3247 m,-
Vorderer Klexenkopf ca.3230 m,-Frossnitz-Kees,-Windisch-Matrey in 10 St. 41 Min.,(Hohe Tauern)
1883 1.Beg.Hoher Zaun-Südanstieg,3447m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1883 1.Überg.Schwarze Wand,3503m, zum Hohen Zaun,3457m, (Venedigergruppe)
1883 1.Beg.Kristallwand-Südwestkamm,3329m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1883 1.Beg.Rainerhorn-Nordostrücken,3559m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1883 1.Beg.Rainerhorn-Westkamm,3559m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1883 1.Beg.Großer Löffler-Nordwestflanke „Diener-Führe“,III,3376m, (Zillertaler Alpen)
1884 1.Beg.Kleiner Buchstein-Nordostgipfel-Ostwand „Zsigmondy-Diener-Friedmann",1985m,
(Ennstaler Alpen)
1887 1.Beg.Hochthron-Südgrat,III-,2360m, (Tennengebirge)
1889 1.Beg.Dreischusterspitze-Westwand,3152m, (Sextener Dolomiten)
1989 1.Überg.Croda dell Oregion,2429m, zum Monte Rinaldo, (Karnischer Hauptkamm)
1891 1.Best.Blauspitze (Ganotzkogel),2575m, (Hohe Tauern)
1891 1.Beg.Gradötzkogel-Südostgipfel-Südostgrat,3063 m, (Granatspitzgruppe,Hohen Tauern)
1891 1.Beg.Gradötzkogel-Hauptgipfel-Südostwand,3063 m, (Granatspitzgruppe,Hohen Tauern)
1892 1.Best.Breitnock,3212m, (Zillertaler Alpen)
Quelle: Gerhard Schauer, Isny im Allgäu


Geboren am:
11.12.1862
Gestorben am:
06.01.1928

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