Purtscheller Ludwig

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Biografie:
Am 6. Oktober 1849 erblickte der nachmals berühmteste Alpinist unserer Tage das Licht der Welt im Herzen Tirols, in Innsbruck. Hier und in Rovereto — die in dieser Stadt zugebrachte Zeit erlaubte ihm eine völlige Erlernung des Italienischen -- besuchte er die Realschule und nahm dann eine Anstellung in Bleiberg in Kärnten. Die sitzende Lebensweise sagte ihm durchaus nicht zu und mit eisernem Fleiße machte er sich an das Studium zur Ablegung der Turnlehrerprüfung. Er bestand dieselbe nach fleißigem Besuche der Fachstunden in Graz und wurde dann als Turnlehrer in Klagenfurt angestellt. Unablässig erhielt er seinen schon von Natur aus kräftigen Körper im Training und die Umgebung der Stadt selber, sowie die Bergzüge der Julisehen Alpen, der Hohen Tauern und Gailtaler Alpen waren so recht geeignet, seine angeborenen Fähigkeiten auf das Höchste auszubilden.
Es ist bemerkenswert, daß Purtscheller, ganz im Gegensatze zur heutigen Gepflogenheit, die nicht scharf genug verurteilt werden kann, mit ganz kleinen Bergbesteigungen begann und sich erst nach und nach an Größeres wagte; erst die Mitteilungen des D. u. Oe. A.-V. von 1876 bringen eine Nachricht, daß Purtscheller im vorhergegangenen Jahre die Hochalpenspitze, seinen ersten Zehntausender, bestieg.
Weitentfernt sich in Szene zu setzen, brauchte es eindringlicher Bitten seiner Freunde, um den bescheidenen Mann zur Veröffentlichung gemachter Touren zu bewegen.
Ihn führte nur die Begeisterung für die hehre Bergwelt dahin, Eitelkeit war dem edlen Manne zeitlebens fremd. Wie oft saß ich mit ihm in größerer Gesellschaft in Hütten in der Schweiz und Italien, ohne daß Jemand eine Ahnung hatte, daß der schlichte unscheinbare Mann der große Purtscheller sei.
Seine erste literarische Arbeit brachten die Mitteilungen des D. u. Oe. A.-V. vorn Jahre 1882 über einige Stubaier Gipfel.
Hatte er schon in Klagenfurt seine Lieblingsschüler — und jeder echt deutsche Jüngling war seinem Herzen nahegerückt — auf ihm passend erscheinenden Touren mitgenommen, so trat dies in erhöhtem Maße in Salzburg ein, wohin Purtscheller 1878 versetzt wurde.
Hier kam ein neues Moment dazu, welches die Erreichung seines Lieblingswunsches: „Kenntnis der gesamten Alpen" näher rückte, nämlich einträgliche Privatstunden.
Während des Schuljahres benützte er jeden verfügbaren Tag zum Besuche der Salzburger und Berchtesgadener Berge, in den Ferien aber eilte er nach Tirol, in die Schweiz, nach Frankreich und Italien.
Gründliche Sprachenstudien machten ihm den Aufenthalt auch in außerdeutschen Gegenden angenehm, wenngleich sein echt deutsches Herz ihn am liebsten in Tirol herumstreifen ließ.
Man müßte Bände schreiben, um seine unglaubliche Fertigkeit im Felsklettern, seine unermüdliche Ausdauer in schwerer Eisarbeit zu schildern. Die Schweiz besuchte er das erste Mal 1883 und blieb ihm die Ersteigung des Piz Roseg stets in dankbarer Erinnerung, 1884 überschritt er den Monte Rosa von Macugnaga nach Zermatt, 1885 führte er die erste Ersteigung der Meije über den Grat vom Pic Central her aus. 1889 finden wir ihn auf dem höchsten Berge Afrikas, dem Kilimandscharo, 1891 besuchte er den Kaukasus, seit 1892 war ich sein ständiger Begleiter in dem Berner Oberland, der Maurienne und Tarentaise, Graubünden, der Montblanc-Gruppe, den Bergamasker Alpen usw.; 1895 litt er am Typhus, er behaupete sich davon nie mehr ganz erholt zu haben; andere merkten davon aber nichts.
Eine besondere Fürsorge wandte Purtscheller der Ausbreitung des alpinen Gedankens unter der heranwachsenden Jugend zu, und an Opferwilligkeit, Geduld und Liebe für seine Schüler hat ihn Niemand übertroffen.
Er wurde Ehrenmitglied des Schweizer und Französischen Alpen-Klubs, aber Niemand hat ihn je darüber sprechen hören.
Mit Vorliebe trug er den Samen der bergsteigerischen Bestrebungen in kleine Flachlandsektionen, um den geliebten Bergen neue Freunde zu erwerben.
Seine literarischen Arbeiten machen eine kleine Bibliothek aus und jede Zeile atmet den idealsten Naturgenuß, die Freude an der Vertiefung der Kenntnis der herrlichen Bergwelt in ihren kleinsten und größten Erscheinungen.
In jedem seiner gediegenen Rufsätze findet man eine Fülle anregender Gedanken, überall tritt der maßvoll die Freunde abwägende Mann in wahrhaft vorbildlicher Weise hervor.
Ein lauterer Charakter, war er seinen Freunden und Schülern auch als Mensch ein leuchtendes Vorbild.
Er lebte in glücklicher Ehe, der ein Mädchen entsproß, die, wie könnte es auch bei Purtschellers Tochter anders sein, als 5 jähriges Kind den entzückenden Ausspruch tat: Mama, ich habe die Blumen so lieb, ich könnte, glaub' ich, vom Blumenduft allein leben.
Abhold aller Gemeinheit, war Purtscheller ein Streber auf dem Gebiete des Geistes und der Herzensbildung. Strengste Selbstzucht führte ihn doch nie zum bitteren Urteil über andere, nur wich er allen unfeinen Erscheinungen aus.
Vergleichsweise kurz war sein Erdenwallen, aber unsterblich ist sein Name mit der Geschichte der hehren Bergwelt als der ihres Hohenpriesters verbunden.
Bregenz, im Frühjahr 1912
Dr. Karl Bodig

Ludwig Purtscheller
(zum 25. Todestag)

Unser alpines Dioskurenpaar, Emil Zsigmondy und Ludwig Purtscheller, ihr Wirken wie ihr Geist, sie sind so lebendig in unseren Kreisen geblieben, daß man überrascht aufhorcht, wenn man hört, daß bereits ein Vierteljahrhundert verrauscht ist seit deren Hingang. Während Emil Zsigmondys dramatischer Heldentod in der Südwand der Meije lebhafter allgegenwärtig ist, steht Ludwig Purtschellers nicht minder tragisches Ende viel weniger kräftig in der Erinnerung des gegenwärtigen und heranwachsenden Bergsteigergeschlechts, obwohl selbst noch das Sterben dieses vorbildlichen Alpinisten eins dringende Mahnung für uns alle bedeutet, da es ja eigentlich von dem mangelhaften Rüstzeug eines seiner Begleiter verursacht worden war.
Zu Dritt am 25. August 1899 im Abstieg von der Aiguille du Dru begriffen, brach dem als Letzten gehenden Führer beim wuchtigen Stütz auf seinen Pickel plötzlich der angemorschte Stock. Er stürzte am Mittelmann vorbei und riß diesen wie den Vordermann, Purtscheller, um, und alle drei glitten über den Gletscher in den Bergschrund hinab wobei Purtscheller sich besonders schwer verletzte. Infolge des langen, schwächenden Krankenlagers und der mehrfachen Operationen, trat, als er scheinbar geheilt nach Salzburg helmreisen wollte, eine Lungenentzündung hinzu, an der dann Ludwig Purtscheller am 3. März 1900, erst 50 Jahre alt. in Bern gestorben ist.
Zu Innsbruck am 6. Oktober 1849 geboren, kam er nach beendetem Realschul-Studium als Angestellter, des Bleiburger Bergwerkes nach Villach, bildete sich nebenbei zum Turnlehrer aus und war hernach in Klagenfurt, später an der Lehrerbildungsanstalt in Salzburg in dieser Eigenschaft tätig.
Die Karawanken waren seine erste alpine Schule. Im Laufe der Jahre seines Lebens suchte aber der nimmermüde Wanderer alle Gebiete der Ostalpen und die meisten Gruppen der Westalpen auf, sodaß Purtscheller damals mit und Recht als der beste Kenner der gesamten Alpen galt, was ihn auch befähigte, gemeinsam mit Heinrich Heß den „Hochtourist" herauszugeben, ein Werk, das noch heute jedem Bergsteiger unentbehrlich. Dank und Bewunderung abzwingt. Aber auch seine sonstigen Schriften, zumeist in unseren Vereinsblättern erschienen, zählen zu den besten Zierden unseres deutsch-alpinen Schrifttums. Jedoch nicht nur in den Alpen betätigte sich der stets tatenfrohe Mann, 1889 gelang ihm auch in Begleitung von Dr. Hans Meyer' die Besteiqung des Kilimandscharo, des höchsten Berges von Afrika, und 1891 in Gesellschaft von Gottfried Merzbacher und der Führer J. Kerer und J. Unterweger die Bezwingung mancher Kaukasusgipfel.
Ludwig Purtschellers Hauptverdienst ist aber, daß er der Vater des führerlosen Gehens genannt werden muß, des Bergsteigens edelste Form, das er in einer, Weise ausübte, die uns stets als Vorbild gelten sollte. Und wenn er nichts sonst hinterlassen hätte, wie seine goldenen Leitsätze, die wie alpine Gebote uns heilig sein werden immerdar, da sie aus reichster Erfahrung und tiefster Empfindung und Erkenntnis stammen, etwa: „Im Hochgebirge gibt es nicht nur Dinge, die man nicht machen kann, sondern auch solche, die man nicht machen soll" — oder: „Zur Energie des Handelns gehört auch die Energie des Entsagens" —, wäre dies schon Grund genug zur Unvergeßlichkeit.
Möge daher stets Ludwig Purtschellers Geist in uns lebendig bleiben, als schönstes Andenken an eines ganzen Mannes Taten, die auch in hundert Jahren noch jedes Mannes Herz höher schlagen machen werden. Und dieses Gelöbnis und seine treue Erfüllung dünkt mich die beste Feier, die der Unsterblichkeit unseres Ludwig Purtschellers geweiht werden kann.
Hanns Barth
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1925, Seite 53



Geboren am:
06.10.1849
Gestorben am:
03.03.1900
application/pdf Purtscheller Ludwig - BST 1984-7.pdf
application/pdf WIKIPurtscheller Ludwig - BK 1960-12-März.pdf

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