Leuchs Georg

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Biografie:
geboren in Nürnberg (Deutschland)
gestorben in München (Deutschland)

Ehrung von Dr. Leuchs durch die Stadt München.
Was in den Jahren nach dem Kriege durch die größte und älteste reichsdeutsche Alpenvereinssektion, der die Stadt München den Namen gibt, geschaffen wurde, trägt das Gepräge des Geistes eines Mannes, dessen Namen unter den deutschen Bergsteigern einen guten Klang besitzt: Dr. Georg Leuchs, seit 1921 Vorstand der S. München, wo er vorher, seit 1907 das Amt des Schriftführers bekleidet hatte. Anläßlich seines 60. Geburtstages hatte der Beirat der S. München für Dr. Leuchs einen Ehrenabend vorbereitet, zu dem auch der 1. und 2. Vorsitzende des Alpenvereins, Prof. Dr. R. v. Klebelsberg (Innsbruck) und Paul Dinkelacker (Stuttgart), ferner u. a. der Führer des Deutschen Bergsteigerverbandes im DRL., Notar Paul Bauer, erschienen waren. Nach der Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste und Würdigung der Verdienste von Dr. Leuchs durch den 2. Vorsitzenden der S. München, Hochschulprofessor Dr. Pistor brachte Direktor Behr vom Stadtamt für Leibesübungen die persönlichen Glückwünsche des Oberbürgermeisters der Stadt München zum Ausdruck und überreichte die silberne Ehrenplakette der Hauptstadt mit der Widmung: „Für den verdienten Alpenpionier und Führer der Sektion München zum 60. Geburtstag."
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1937, Seite 44

Dr. Georg Leuchs Ehrenmitglied des Zweiges München des Deutschen Alpenvereins.
Dr. Georg Leuchs, der 21 Jahre lang am Steuer des großen Alpenvereinszweiges München stand und vor einiger Zeit aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegte, wurde mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Zweiges München des D.A.V. ausgezeichnet. Der neue Führer des Zweiges München, Dr. Max Wein, überreichte Dr. Leuchs eine künstlerisch ausgeführte Adresse mit den Unterschriften sämtlicher Beiratsmitglieder des Zweiges. Dr. Leuchs ist bekannt als einer der erfolgreichsten deutschen Bergsteiger, der 67 neue Bergfahrten in den Ost- und Westalpen sowie im Kaukasus ausgeführt und sich besonders der Erschließung des Kaisergebirges gewidmet hat. Unter seiner Vereinsführung wurde eine leistungsfähige Jungmannschaft herangebildet, aus der u. a. Bergsteiger wie Göttner, Schmaderer und Ludwig Vörg hervorgegangen sind.
Quelle: Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins 1941/42, Deutscher Bergsteigerverband im NS. Reichsbund für Leibesübungen, Heft 12, Seite 185


Quelle: Mitteilungen des DAV 1944, Seite 10

DR. GEORG LEUCHS
Wenn sich ein junger Mann von neunzehn Jahren einer angesehenen Bergsteigervereinigung anschließt und bereits nach vier Jahren an deren Spitze steht, so muß dies seinen besonderen Grund haben. Leuchs hatte im Akademischen Alpenverein München tatenfreudige, lebensfrohe, gleichgesinnte junge Bergsteiger gefunden, in deren Kreis er sich außerordentlich wohl fühlte.
Leuchs wurde am 28. Dezember 1876 in Nürnberg geboren. Schon im Jahre 1901, als er als Mediziner seine Doktorprüfung ablegte, konnte er auf eine ungewöhnliche alpine Laufbahn zurückblicken. Der »Kaiser«, den er 1896 zum erstenmal betrat, hatte es ihm angetan; er erkannte bald, daß es hier noch viel Neuland zu entdecken gab. Er hat von 1895 bis 1901 nicht weniger als 392 Kletterfahrten, darunter 45 Erstbesteigungen durchgeführt, die meisten davon in seinem geliebten Kaiser. Aus der Fülle der Erstbegehungen ein kleiner Ausschnitt: Die Gamshalt über die Ostwand und den Nordgrat, die Kleine Halt aus dem Hohen Winkel und über die Ostwand, die Ackerl-Südwand, die Elmauer Halt über den Kopftörlgrat, die Sonneck-Südwand, die Predigtstuhl-Ostwand, die Totenkirchl-Ostwand, die Fleischbank-Westwand und den Regalpturm.
Der von ihm verfaßte Führer durch das Kaisergebirge, der mehreren Bergsteigergenerationen als Richtschnur diente, die vielen Leuchswege, der Leuchskamin am Totenkirchl, der Leuchsturm am Kopftörlgrat werden seinen Namen für immer lebendig erhalten.
Auch in der Zeit zwischen 1901 und dein Ausbruch des Krieges 1914-1918 waren ihm ungewöhnliche Bergsteigererfolge beschieden. In diesen Zeitraum fallen ungefähr 500 Bergfahrten. Sie erstrecken sich auf alle Gruppen der Nördlichen und Südlichen Kalkalpen, besonders auf die Dolomiten, die Zentralalpen, das Berner Oberland, die Walliser- und die Montblanc-Gruppe. In den Dolomiten glückte ihm unter anderem die Erstersteigung der Kleinen Fermeda über die Südwand und Ostwand und der Cimone della Pala über die Südwestwand.
Er war aber nicht nur in den Ost- und Westalpen zu Hause; er stillte seinen Tatendurst auch in England, Norwegen, im Sinaigebirge und vor allem im Kaukasus, wo 1903 das alpine Dreigestirn Distel – Leuchs - Pfann durch seine alpinen Großtaten, besonders durch die Uschbaüberschreitung, die Aufmerksamkeit der Bergsteigerwelt auf sich lenkte.
1907 wurde Leuchs Mitglied der Sektion München, schon ein Jahr darauf erhielt er das Amt des ersten Schriftführers übertragen, ein Amt, das er - unterbrochen nur durch seine Tätigkeit als Truppenarzt im letzten Krieg - dreizehn Jahre lang innehatte. Im Jahre 1921 übernahm er die Führung des Zweiges, des ältesten und größten Zweiges des Altreichs. Standen früher fast durchweg Männer der Wissenschaft wie Haushofer, Oberhummer, Penk und Rothpletz am Steuer des Zweiges, so jetzt eine ausgeprägte Bergsteigerpersönlichkeit. In den zwanzig Jahren, in denen er den Zweig führte, verstand er es, das wertvolle Erbe des Zweiges zu wahren und mit Klugheit und Geschick mit dem guten Neuen zu verbinden. Er gab dem Zweig München nach außen und innen sein Gepräge. Unter seiner Führung wurde der schon stattliche Hüttenbesitz erweitert, in den Kranz der schon vorhandenen Hütten wurden viele neue Stützpunkte eingefügt, vor allem zweigeigene Winterhütten, fünf neue Unterabteilungen wurden aus der Taufe gehoben, die bergsteigerische Tätigkeit, der alpine Schilauf, das alpine Jugendwandern tatkräftig gefördert. Leuchs, trotz seines Silberhaares ein Mann von Spannkraft und Jugendlichkeit, stellte sich an die Spitze seiner Jungmannschaft, der Kerntruppe der befähigten jungen Kletterer; er war ihnen Vorbild und Wegweiser, er verstand es, deren Tatendrang in gesunde Bahnen zu lenken, sie anzuspornen und zugleich zu zügeln. Aus dieser Schar gingen u. a. hervor: Adolf Göttner, dessen alpiner Laufbahn am Nanga Parbat ein Ende gesetzt wurde, Ludwig Vörg, der Bezwinger der Eiger Nordwand, der im Juni 1941 sein Leben an der Ostfront für das Vaterland gab, Ludwig Schmaderer und Herbert Paidar, die zusammen mit Ernst Grob große Unternehmungen im Himalaja ausführten.
Die Pflege des Naturschutzes lag ihm besonders am Herzen. Mit großer Ausdauer und Entschiedenheit nahm er den Kampf auf gegen den Bau der Bergbahnen im Wetterstein, dem Hauptarbeitsgebiet des Zweiges. Wenn ihm auch hier der unmittelbare Erfolg versagt blieb, so war doch sein Bemühen nicht umsonst, wurden doch der Öffentlichkeit die Augen geöffnet über die Gefahren, die dem alpinen Landschaftsbild von dieser Seite her drohten. Die Folge war, daß eine Reihe weiterer
Pläne von Bergbahnen, die für das bayrische Hochland aufgetaucht waren, bereits im Keime erstickt wurden.
In einem vorbildlichen Werk, dem zweiten Band der »Geschichte der Alpenvereinssektion München«, gab Leuchs ein klares Bild vom Werden und Wachsen, den Zielen, Kämpfen und Erfolgen des Zweiges München in der Zeitspanne von 1900 bis 1930. Das Werk, in zeitraubender, mühevoller Kleinarbeit erstellt, zeugt von gereifter Erfahrung, tiefer Sachkenntnis und großer Liebe zur alpinen Sache.
Von 1914 bis 1920 und 1929 bis 1932 gehörte er dem Hauptausschuß und damit der Leitung des Gesamtvereins an. Er zählte in diesem Gremium zu den Männern, die die bergsteigerischen Ge¬sichtspunkte im engeren Sinne vertraten; er bat die Forderungen, die später die Bergsteigergruppe gestellt hat, damals bereits mit dem Blick des Sachkenners herausgestellt und ihre praktische Durchführbarkeit umrissen. Seine reichen Erfahrungen und sein gereiftes Urteil wirkten sich auch in diesem größeren Rahmen zum Besten des Gesamtvereins aus.
Dr. Leuchs schätzte als echter Bergsteiger vor allem die alpine Tat; er war kein Freund vieler Worte, er war nie darauf bedacht, seine bergsteigerischen Leistungen oder die seines befähigten alpinen Nachwuchses in großer Aufmachung herauszustellen. Trotz seines stillen, einfachen, bescheidenen Wesens entsprach es seiner Art, das, was er einmal für richtig erkannt und sich zum Ziel gesetzt hatte, fest und unbeirrbar, beharrlich und entschieden zu vertreten und durchzukämpfen. Ihm war es stets um die Sache zu tun. Alle, die Gelegenheit hatten, mit ihm persönlich näher in Verbindung zu treten, werden nicht nur dem Bergsteiger, sondern auch dem Menschen Leuchs ein treues, ehrendes Gedenken bewahren.
Der Name Leuchs wird mit der Geschichte des Zweiges München und des Deutschen Alpenvereins für immer verbunden bleiben.
Dr. A. Nuber
Quelle: Mitteilungen des DAV 1944, Seite 69-70

Georg Leuchs
Vita *28. 12. 1876 Nürnberg. Studierte in München Medizin und legte 25jährig seine Doktorprüfung ab. Spielte im alpinen Vereinsleben eine Rolle. 19jährig trat er in den Akademischen Alpenverein München ein, 1907 in die Alpenvereinssektion München. Von 1921 bis 1941 Erster Vorsitzender. Leiter und Förderer der 1933 gegründeten Jungmannschaft. Lebte bis zu seinem Tod am 30. 1. 1914 in München.
Chronik Georg Leuchs darf in seiner Zeit (ab 1896) als der bedeutendste Erschließer des Kaisergebirges gelten. Autor des lange beispielhaften »Führers durch das Kaisergebirge«. Bis 1911 hatte er im Kaiser von 200 Gipfelanstiegen 192 bestiegen; 45 Erstbegehungen: erste Umrahmung des Griesner Kars vom Lärcheck bis zur Predigtstuhlscharte (Biwak am Kleinen Törl), Gamshalt-Ostwand und -Nordgrat, Kleine-Halt-Ostwand, Sonneck-Südwand, Fleischbank-Westwand, Ackerlspitze-Südwand, Ellmauer-Halt-Kopftörlgrat (allein). Im Kaiser: Leuchsturm, Leuchskamin. In den Dolomiten gelang Georg Leuchs mit seinem Bruder Kurt als bemerkenswerte Tour 1902 die Zweitbegehung der Marmolada-Südwand ohne Routenbeschreibung. Ab Zweiter Terrasse wichen sie nicht nach rechts aus, sondern durchkletterten die etwa 300 m hohe Gipfelwand direkt (Biwak). 1904 Erstbegehung der Südwestwand des Cimone della Pala (allein). Kleine-Fermeda-Süd- und -Ostwand. Bereits 1899 mit Hans Pfann in den Westalpen (erste führerlose Überschreitung Grand und Petit Dru). In den nächsten Jahren in den Berner, Walliser und Dauphiné-Alpen. 1903 mit Ludwig Distel und Hans Pfann im Kaukasus: erste Uschbaüberschreitung — eine bergsteigerische Großtat. Später große Verdienste um Heranbildung des Münchner Bergsteigernachwuchses
(A. Göttner, H. Paidar, L. Vörg, L. Schmaderer).
-tt-
Quelle: Der Bergsteiger 1982, Heft 9, Seite 57-58

Quelle: Berge Nr. 6, 1984, Seite 36

Geboren am:
28.12.1876
Gestorben am:
30.01.1944

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