Angelusspitze, Hohe (Große Angelusspitze)

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Höhe:
3.536 m
Infos:
Erste Besteigung durch J. Payer und J. Pinggera mit einem Träger am 8.8.1868;

Der nächste Nachbar der Vertainspitze und häufig in Verbindung mit dieser bestiegen, ist die Hohe Angelusspitze 3536 m. Die erste Besteigung dieses Berges wurde von J. Payer mit Josef Pinggera am 8. August 1868 ausgeführt. Nach Ersteigung der Schildspitze vom Rosimjoch (2 Uhr 15) kommend, querte er den Laaser Ferner in seinem obersten Teile nach Norden, gewann so die Angelusscharte und erreichte in Verfolgung des Südwestgrates, anfangs über Schnee, dann über Blöcke, zuletzt nach Überschreitung eines Firnkammes den Gipfel um 3 Uhr 45 Nach Errichtung eines Steinmannes wurde derselbe um 4 Uhr 20 wieder verlassen, die Angelusscharte betreten und von da der Laaser Ferner in zuerst südlicher, dann östlicher Richtung zum Lyfijoch traversirt und das Martellthal durch das Lyfithal über die gleichnamige Alpe erreicht.
Die zweite Ersteigung der Hohen Angelusspitze, und zwar diesmal vom Zaythale aus, führte V. Hecht mit Johann Pinggera am 5. September 1870 aus. 1) Sie verliessen Sulden um 7 Uhr 15, gelangten durch das Zaythal auf dessen obersten Boden und von hier nach rechts (südöstlich) auf den vom Angelus kommenden Zayferner, um bald den Felsrücken in Angriff zu nehmen, welcher vom Gipfel in nordwestlicher Richtung herabzieht und dessen Verfolgung ihnen mannigfache Schwierigkeiten bereitete. J. Pinggera ging damals allen Gletschern, welche er nicht kannte, gerne aus dem Wege, während Hecht anfänglich über den Firn zur Spitze wollte. Der Felssporn verliert sich weiter oben unter der Firndecke, und um 11 Uhr 50 war der Gipfel gewonnen. Im Abstiege vermieden sie den Felsgrat, indem sie sich mehr westlich, teilweise am Rande des Gletschers hielten, und langten um 4 Uhr 15 in Sulden an.
Direct von Süden wurde die Hohe Angelusspitze am 22. Juli 18762) von Schnorr und Lehmann aus Zwickau mit Alois Pinggera erstiegen. Dieselben waren 5 Uhr morgens von der Alpe im Laaserthale aufgebrochen, erreichten nach 1 1/2, Stunden den Ofenwandferner und über denselben den vom Angelus nach Nordost ziehenden Grat. An dessen Südseite absteigend, erreichte man die im Osten der Spitze gelegene Mulde, sodann den breiten Schneesattel zwischen Angelus und seinem gegen Südost vorgelagerten Vorgipfel. Nunmehr den Laaser Ferner betretend, stieg man nach Umgehung einer Felsrippe durch eine Schneerinne direct zum Gipfel empor. Der Abstieg wurde durch das Zaythal nach Sulden genommen.
Ohne Führer und in Verbindung mit der Ersteigung der Vertainspitze wurde der Gipfel von Emil und Otto Zsigmondy am 1. August 1881 erreicht und ein neuer Abstieg über den Ostgrat ausgeführt. 3) Nachdem dieselben von Sulden um 4 Uhr 33 aufgebrochen waren und über den Rosimboden die Vertainspitze um 9 Uhr 14 gewonnen hatten, stiegen sie gegen die Angelusspitze auf den Laaser Ferner hinab. Nach Traversirung des obersten Firns des Laaser Ferners steuerten sie der Angelusscharte zu und erreichten über den Südwestkamm ohne Schwierigkeit den Gipfel des Angelus. Den Abstieg vollführten sie durch eine steile Mulde auf den kleinen Ferner, welcher in die Ostflanken der Angelusspitze eingebettet ist, überquerten denselben und erstiegen den Ostgrat des Angelus, der sie vom Angelusferner trennte. Dieser Kamm setzt sich in Gestalt eines steilen Geröllgrates fort und bot Gelegenheit, tiefer hinabzusteigen. Als stärkere Neigung das Verlassen dieses Grates nothwendig machte, wurde über eine Eiswand der Angelusferner gewonnen. Über die Mittelmoräne desselben und seinen linken Arm gelangten sie auf den Kamm, welcher, Ofenwand- und Angelusferner scheidend, in grosser Steilheit zur Tiefe zieht. Um 5 Uhr war das Ende des Ofenwandferners und von hier aus ohne Schwierigkeit auf der linken Talwand der Boden des Laaserthales erreicht.
Ganz allein vollführte G. Geyer am 3. September 1882 den Übergang von der Vertain- zur Angelusspitze, indem er, von der Vertainspitze kommend, auf der von den Brüdern Zsigmondy gewählten Route zum Laaser Ferner abstieg und über die Angelusscharte den Gipfel 1 1/2 Stunden nach Verlassen der Vertainspitze erreichte. Der Abstieg erfolgte über den felsigen Nordwestsporn und den Angelusferner in das Zaythal. 4)
Dieselbe Tour wiederholte L. Purtscheller am 15. August 1883 5) und benöthigte ebenfalls 1 1/2 Stunden zum Übergang von Gipfel zu Gipfel.

1) Zeitschrift des DÖAV Band II, 97.
2) Mitteilungen des DÖAV 1877, 95.
3) Österreichische Alpenzeitung. 1882, Seite 89.
4) Persönliche Mitth. von G. Geyer.
5) Mitteilungen des DÖAV 1884, 177.
Quelle: Auszug aus Eduard Richter: Erschließung der Alpen, Band II, Seite 127-128


Bild:
Foto gesucht!
Gebirgsgruppe:
Ortler-Alpen
Erste(r) Besteiger(in):
Payer Julius
Pinggera Johann (Führer)
Datum erste Besteigung:
08.08.1868

Routen:
Nordgrat
Nordostgrat
Nordostwand
Nordwestgrat - "Reinstadlerroute"
Nordwestwand
Südwand
Südwestgrat
Westflanke

(Route Neu)
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