Bußmann Heinz

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Biografie:
gefallen im 2. Weltkrieg
Mitglied des Österreichischen Alpenklubs

Heinz Bußmann
An einem der ersten Tage des Rußlandkrieges 1941 ist Heinz Bußmann von einem Flug im Raume Tarnopol nicht mehr zurückgekehrt. Die Gräber seiner drei Besatzungskameraden wurden später aufgefunden. Bei einem etwas entfernter liegenden Grab ließ sich nachweisen, daß dort mit größter Wahrscheinlichkeit unser Klubkamerad seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Beim Schreiben dieser Zeilen wachen die Erinnerungen auf an ungezählte Stunden gemeinsamen Erlebens einer unbeschwerten Jugend- und Studentenzeit, wo wir jeden freien Tag von einsamer Hütte aus die „alpinen" Gegenden des Schwarzwaldes durchstreift haben — an Klettereien im Höllental und an den Feldseewänden, bei denen wir den Händen eines Th. Herzog und O. D. Tauern entwachsen sind, die uns auch bei den ersten Hochtouren in der Silvretta und im Berner Oberland Leiter und Berater gewesen waren und den jugendlichen Wagemut in die rechten Bahnen gewiesen hatten.
Den Schwarzwälder Bergsteiger locken Fels und Eis. Alljährlich zog es Heinz Buß­mann in die Schweizer Bergwelt, deren schimmernde Pracht im Süden dem Blick vom heimatlichen Feldberg leuchtet. An der Eisnase des Monte Scerscen erlebten wir zusammen stundenlangen Kampf mit gefährlich sprödem Eis, neugewonnenes Leben im sonnbestrahlten Gipfelhang und die abendliche Rast auf unserem ersten Viertausender, dem Piz Bernina.
Leider sind keine Tourenberichte von Heinz Bußmann erhalten, so daß nur die Erwähnung seiner Haupttourengebiete, Berner Oberland und vor allem Wallis, möglich ist.Von seinen selbständig ausgeführten Bergfahrten sind mir noch Zmuttgrat und Dent-Blanche-Überschreitung in sicherer Erinnerung. Es läge nicht in seinem Sinne, Lorbeeren zu flechten, ihm ging es stets nur um das ureigenste Erleben einer Bergfahrt. Auch in späteren Jahren blieb er denselben Bergen treu. Ihn lockten weniger verstreute Einzelziele als die genaue Kenntnis seines Lieblingsgebietes. Dazu gehörte für ihn auch die Geschichte dieser Bergwelt und ihrer Bewohner.
Stets aufgeschlossen für alles Neue, fröhlich und unerschüttert durch spätere persönliche Schwierigkeiten, ist Heinz Bußmann seinen Lebensweg gegangen, der ihn zuletzt nach München geführt, wo er Heim und Familie gegründet hat. Mit gleicher Begeisterung wie den Bergen widmete er sich dort der Fliegerei. Das Leben hatte für ihn den Sinn einer Aufgabe, etwas zu leisten, und die Kraft hiezu schöpfte er aus dem Erleben des Kampfes und Einsatzes am Berg. So war er ein Bergsteiger im echten Sinne und ein geachteter und liebenswerter Kamerad, der sich stets mit dem ganzen Schwung seiner tatfrohen Persönlichkeit für seine Ideale eingesetzt hat. Er war einer von denen, die heute am meisten fehlen.
Dr. M. Pahl.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1950, Folge 1251, Seite 83-84

Gestorben am:
1941