Petersen Theodor Dr.

(Bearbeiten)

Biografie:
geboren in Hamburg (Deutschland)
gestorben in Frankfurt /M (Deutschland)

Prof. Dr. Theodor Petersen, der langjährige, verdienstvolle Präsident unserer S. Frankfurt a. M., feiert am 7. April seinen 70. Geburtstag. Die genannte Sektion veranstaltet an diesem Abende im "Frankfurterhof zu Frankfurt a. M. ein Festmahl und gewiß werden im großen Kreise unseres Vereins die zahlreichen Freunde dieses unermüdlichen, trotz seiner 70 Jahre noch mit vollster Hingabe und fast jugendlichem Eifer den Interessen seiner Sektion und des Gesamtvereins dienenden Mannes an jenem Tage mit aufrichtiger Freude des hochgeachteten Jubilars gedenken. Ist doch Prof. Petersen einer derjenigen, welche dem Vereine fast seit seiner Gründung angehören und einer der "Erschließer" - im vollen Sinne des Wortes - eines namhaften Teiles unserer Ostalpen, der mächtigen Ötztalergruppe, um deren Erforschung und Bekanntmachung sich Petersen unvergängliche Verdienste erworben hat Prof. Petersen hat sich aber auch um seine Sektion und um unseren Verein Verdienste erworben, die ihm für alle Zeiten einen Ehrenplatz in der Geschichte des Alpenvereins sichern. Er war der erste Präsident des ersten Zentral-Ausschusses nach der Vereinigung des Deutschen mit dem Osterreichischen Alpenverein in den Jahren 1874-1876. Unter seiner Leitung sind die "Mitteilungen" begründet und die Grundsätze für die kartographische Tätigkeit unseres Vereins festgelegt worden und am Schlüsse der Amtstätigkeit dieses Zentral-Ausschusses wurden zu Bozen im Jahre 1876 die "Satzungen" unseres Vereins beschlossen, welche unverändert bis heute durch- volle 30 Jahre die feste Grundlage bildeten für jene machtvolle Entwicklung des D. u. O. Alpenvereins, die wohl am besten deren Vortrefflichkeit bewiesen hat. So ist diesem viel verdienten Manne zu seinem 70. Wiegenfeste die dankbare Sympathie des Gesamtvereins sicher und mit den Wünschen seiner engeren Sektionsgenossen vereinigen sich diejenigen aller seiner Freunde und Bekannten: daß es ihm noch recht lange vergönnt sein möge, in gleicher Rüstigkeit und Frische an der Spitze seiner b. Frankfurt a. M. die schönen und edlen Ziele unseres Alpenvereins zu fördern!
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1906, Seite 77-78

Theodor Petersen.
Zu seinem 80. Geburtstage (9. April 1916).
"Im Alter", sagt Schopenhauer, "gibt es keinen schöneren Trost, als daß man die ganze Kraft seiner Jugend Werken einverleibt hat, die nicht mitaltern." Das Wörtlein "Trost" mag für jene zutreffen, die die Last der Jahre gebeugt hat; für unseren jugendfrischen Petersen, der ungebrochen an Körper und Geist, tatkräftig und arbeitsfreudig sich anschickt, die Schwelle des Achtzigers zu überschreiten, kann die Rückschau auf die reiche Summe von Mühen und Erfolgen nur ein erhebendes Gefühl stolzer Befriedigung auslösen.
Vor einem Jahrzehnt ward in Frankfurt, seiner zweiten Heimat, sein 70. Geburtstag mit festlichem Gepränge gefeiert.
Die Ehrungen, die ihn damals umrauschten, galten vor allem dem bewährten Manne der Wissenschaft, dem theoretisch und praktisch wohlgeschulten Förderer auf dem Gebiete der Chemie. Uns aber erscheint Petersen zunächst als einer der begeistertsten Pioniere des Alpinismus, die in selbstloser Weise und aus vollem Herzensantrieb an der Erschließung der Ostalpen rühmlichen Anteil gewannen.
Ein Hamburger von Geburt, kam er in frühester Jugend mit den Eltern nach Mainz, wo er das Gymnasium besuchte und dann in Göttingen unter Wöhler und in Heidelberg unter Bunsen sich reiche Kenntnisse für fein Spezialfach, die Chemie, erwarb. 1865 übersiedelte er nach Frankfurt. Den aus bescheidenen Verhältnissen nur langsam emporwachsenden Physikalischen Verein erhob er zu ungeahnter Blüte. Seine großen Verdienste um diese Schöpfung wurden durch seine Ernennung zum Ehrenmitglied und zum ewigen Mitglied gebührend geehrt. Seit 1906 schmückt seine wohlgetroffene Marmorbüste die Halle des heutigen Physikalischen Institutes in Frankfurt a. M.
Mit einer Schar gleichstrebender Männer rief er 1869 die Chemische Gesellschaft in Frankfurt ins Leben, die jahrzehntelang unter seiner zielbewußten Leitung stand.
Seine Neigung für die Bergwelt brach schon in frühen Jahren mächtig hervor. Auf seinen ersten Bergfahrten in die Schweiz blickte er sehnsüchtig zu dem damals noch unbezwungenen Matterhorn empor und bei einer späteren Besteigung dieses Bergriesen (1877) erschien es ihm fast unbegreiflich, daß derselbe so lange mit dem Nimbus der Jungfräulichkeit umkleidet war. Auch dem Diavolezzapaß im Berninamassiv, dem Tödi und den Berner Alpen stattete er Besuche ab. In die französischen Alpen trieb ihn seine unbezähmbare Bergsteigerlust ein paarmal. Unauslöschliche Erinnerungen trug er heim von seinen Fahrten auf den Col du Geant, auf den Mont Pelvoux und auf den Monte Viso. In plastischer Weise wußte er diese Touren zu schildern, die erstere in der "Zeitschrift" von 1886, die letztere im -Jahrbuch des Schweizer Alpenklubs" von 1880/81.
Der S. Tödi des Schweizer Alpenklubs trat er schon frühzeitig bei. Schon seit 1864 gehörte er dem Österreichischen Alpenverein an und bald nach dem Entstehen des Deutschen Alpenvereins wurde er eines der eifrigsten und treuesten Mitglieder desselben.
Von seinen außeralpinen Touren sei besonders eine Besteigung des Cédres im großen algerischen Atlas genannt. Eine Frühlingsfahrt 1884 führte ihn durch Italien nach Afrika und nach dem Atlas und fand an der Sahara ihren Abschluß.
Doch am Häufigsten lenkte er seine Schritte nach den Ostalpen. Im zweiten Bande unserer "Zeitschrift" erzählt er in seiner schlichten und doch so anheimelnden Art von seiner Erstersteigung der 3186 Meter hohen Dreiländerspitze in der Silvrettaqruppe (14. Juli 1870). Längst keimte ja schon in ihm der Wunsch, in die "Geheimnisse" des Vermunt und der Silvretta einzudringen, die "ihre umeisten Arme nach Bünden, in das Land Tirol und Vorarlberg zugleich erstreckt". Den Ortler bezwang er im Juli 1872 über den Hinteren Grat und ein Jahr später stieg er vom Dreihaupt des Triglavs ins Isonzotal.
Frühzeitig erwählte er sich als ureigenes Gebiet die Ötztaler Alpen, deren Erschließung er als Erstersteiger mehrerer Gipfel, als beredter Schilderer von deren Pracht und als Vorstand der S. Frankfurt nachdrücklichst förderte. Land und Leute in den Ötztaler Bergen hatte er bald liebgewonnen, und diese Liebe drängte ihn zu öfterer Wiederkehr, zu erfolgreichen Streifzügen in diesem Vergleich, namentlich im Kauner- und Pitztal.
Die Reihe seiner Bergsiege in dieser Gruppe begann mit der Besteigung der Karlesspitze (3459 Meter, 11. Juli 1870). Die Bezwingung der Texelspitze und der Inneren Ölgrubenspitze bilden seine wichtigeren alpinen Taten des folgenden Jahres. Von der ersteren sagt er in seiner anspruchslosen, jeder Ruhmredigkeit abholden Weise: "Sie zu erobern, kostete - einige Mühe." Auf dem Similaun entwarf 1872 sein kundiger Stift ein Panorama der östlichen Ötztaler Gruppe, das als Beilage zur "Zeitschrift" noch im gleichen Jahre erschien.
Seinen Ruhm als Erschließer der Ötztaler Alpen vermehrten noch 1872 - 1876 die von ihm bewältigten Gipfel: Hinterer Brunnenkogel, Roteckspitze, Nördliche Wildspitze, Hohe Geige, Rofelewand, Botzer, Tiefenbachkogel, Schwarze Schneide, Blickspitze, Hintere und Mittlere Hintereisseespitze, Schwarzwandspitze usw. Dazu gesellten sich noch schwierige Touren auf eisgekrönte Ötztaler Bergriesen, die nicht lange vor ihm den Zauber ihrer Unbesieglichkeit eingebüßt hatten.
Seine letzten Bergsteigerlorbeeren in dieser wildschönen Hochregion pflückte er 1886 durch die Erstlingsfahrt auf die Verpeilspitze und 1893 durch die Bezwingung des Rostizkogels im Kaunergrat.
Petersen gehört noch zu den Bergsteigern der alten Schule. Er unternahm seine Touren nie ohne Führer. Lange Zeit war Alois Ennemoser (der "Lois") sein Begleiter, nach Petersens Darstellung „ein Mann in den mittleren Jahren, handfest, kniestark und behende, ein Pfadfinder von großer Ausdauer, einer der allerbesten Führer in den deutschen Alpen".
Wie andere Alpenpioniere griff auch Petersen oft zur Feder, um seine touristischen Erlebnisse in ansprechender Form, doch ohne allen Überschwang zu schildern. Unsere "Zeitschrift"; und unsere "Mitteilungen", doch auch andere Blätter besaßen an ihm in früheren Jahren einen schriftgewandten und erfahrenen Mitarbeiter.
Was seine nimmermüde Tatkraft für den D. u. Ö. Alpenverein vollbrachte, das ist unverwischbar in unserer Vereinsgeschichte festgelegt. Wie der zwei Jahre jüngere, gleich verdienstvolle Alpenpionier Johann Stüdl, erlebte auch Petersen zu unser aller Freude den ungeahnten Aufschwung unseres Vereins von bescheidenen Anfängen an selbst mit. Im Bunde mit Dr. Pfefferkorn hatte er im September 1869 die S. Frankfurt a. M. begründet, die schon im ersten Jahrfünft ihres Bestehens sich eine so achtunggebietende Stellung errang, daß sie für 1874 - 1876 zum Vorort des Gesamtvereins und ihr rühriger 1. Vorstand zum Zentralpräsidenten erwählt wurde.
Für die Verschmelzung der beiden gleichstrebenden, aber bis dahin getrennt marschierenden Vereine, des Deutschen und des österreichischen Alpenvereins, die sich am 8. Januar 1874 vollzog, hatte Petersen schon vorher unablässig gewirkt. Als erster Präsident des Gesamtvereins vor einen größeren Wirkungskreis gestellt, suchte er zunächst die praktischen Aufgaben des D. u. Q. Alpenvereins durch Vermehrung der Hütten und Anlagen neuer Wege nach Kräften zu fördern. Unter seiner Leitung traten der "Zeitschrift" als eigenes Vereinsorgan 1875 die "Mitteilungen"; zur Seite. Fruchtbare Anregungen wurden gegeben durch weitschauende Pläne, die sich später glänzend verwirklichten: die "Anleitung für wissenschaftliche Beobachtungen auf Alpenreisen", namentlich aber die kartographische Behandlung des gesamten Ostalpengebietes, die sich gerade in dem gegenwärtigen Kriege gegen Italien als außerordentlich nutzbringend erwies.
Als Mitglied des Weg- und Hüttenbau-Ausschusses stellte er auch in der Folge seine unverwüstliche Kraft freudig in den Dienst des Gesamtvereins.
Der S. Frankfurt ward er von ihrer Gründung an bis heute ein zielbewußter Leiter. Auf seine Anregung hin erkoren die Frankfurter die Ötztaler Alpen als Arbeitsgebiet. Seine Verdienste um die Erschließung dieser Gebirgsgruppe wurden dadurch geehrt, daß ein über 3500 Meter hoher Doppelgipfel daselbst, die "Petersenspitzen", seinen Namen für alle Zeiten trägt.
Wie ernst und gewissenhaft er seine Aufgabe als Leiter der rasch aufgeblühten S. Frankfurt a.M. erfüllt, das geht aus den Jahresberichten dieses stattlichen Zweiges am Baume unseres Vereins hervor. Von seiner Tätigkeit als Sektionsvorstand geben die trefflichen Hütten der S. Frankfurt Zeugnis (Gepatschhaus, Taschachhütte, Rauhekopfhütte, Weißkugelhütte, die 1911 an die S. Mark Brandenburg abgetreten wurde, Taschachhaus und Verpeilhütte). Erst 1912/13, beziehungsweise 1913/14 wurden Taschachhaus und Rauhekopf-Hütte durch Anbau bedeutend erweitert. Wie treu er unserem Vereine anhängt, das erhellt allein aus der Tatsache, daß er in keiner der Generalversammlungen fehlte, ein lieber und gerngesehener Gast. Wenn er in sein Berggebiet kommt, so begrüßen ihn die Bewohner mit wahrer Herzensfreude.
Das Wirken unseres Jubilars führt uns aufs neue lebhaft vor Augen, welchen Ursachen unser herrlich blühender Verein seine Größe verdankt: daß er stets treue, opferwillige Männer fand, die ihre ganze Kraft für ihn einsetzten, aus Liebe zur gemeinsamen Sache und zu unseren schönen Bergen.
Dr. A. Dreyer.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1916, Seite 48-49

Prof. Dr. Theodor Peterson
Wohl keine Nachricht wird unter den zahlreichen Mitgliedern des Vereins so viele herzliche Anteilnahme und Trauer erwecken, wie die von dem in seinem 83. Lebensjahre am 15. Dezember v. J. erfolgten hinscheiden unseres unvergeßlichen Prof. Dr. Theodor Petersen, des Gründers und Vorstandes der S. Frankfurt a. M., des ältesten und verdienstvollsten Mitgliedes des Gesamtvereins, der bis auf wenige Monate ein halbes Jahrhundert lang als Sektionsvorsitzender seine überaus rege Tätigkeit mit größter Begeisterung und Liebe dem Alpenverein widmete.
Gleich nach Gründung des Deutschen Alpenvereins vereinigte Dr. Petersen, der seit 1864 auch Mitglied des älteren Österreichischen Alpenvereins war, im Jahre 1869 alle in Frankfurt a. M. ansässigen Freunde der Alpenwelt zu einer Sektion und wurde durch das Vertrauen seiner Sektionsgenossen sofort zum Vorsitzenden gewählt. Er hat dieses Vertrauen" stets in glänzender Weise gerechtfertigt, so daß er, immer wiedergewählt, bis zu seinem Ableben die leitende Ehrenstelle bekleidete.
Getreu dem Streben Petersens, widmete die Sektion ihre Tätigkeit vor allem der Ötztaler Gebirgsgruppe, wo sie im Bereich des Pitztales und Kaunertales geradezu Mustergültiges auf dem Gebiete des Weg- und Hüttenbaues und der Führerorganisation auf Anregung und unter der zielbewußten Leitung Petersens schuf. In der S. Frankfurt a. M förderte der Verblichene das Vereinsleben in jeglicher Weise, besonders durch Abhaltung von sehr gediegenen Vorträgen, gemeinsamen Ausflügen usw., so daß die Sektion bald zu einer der blühendsten und angesehensten des Gesamtvereins wurde.
Den Aufgaben und Zielen des Gesamtvereins widmete sich Petersen mit größtem Interesse und unermüdlichem Eifer. Mit wirklich bewunderungswürdiger Pflichttreue nahm er an fast allen Hauptversammlungen des Gesamtvereins, mögen sie von Frankfurt a. M. noch so weit entfernt gewesen sein, teil und widmete den Beratungen und Beschlußfassungen stets die größte Aufmerksamkeit und regste Anteilnahme. Sein bescheidenes, überaus freundliches und liebenswürdiges Wesen, sein lebhaftes Temperament, sein stetes Bemühen, den Geist der Eintracht im Verein zu bewahren und Gegensätze auszugleichen - was ihm vermöge seines scharfen Geistes und seiner Rednergabe auch stets gelang -, machten ihn bald zu einem der beliebtesten und geschätztesten Mitglieder des Gesamtvereins. Für alle Vorkommnisse aus längst vergangenen Zeiten hatte er ein bewunderungswürdiges Gedächtnis. Gern erinnerte er sich an die außerordentlich lebhaften Verhandlungen bei der Generalversammlung in Bludenz im Jahre 1873 anläßlich des Beschlusses über die Verschmelzung des Deutschen mit dem Österreichischen Alpenverein zum D. u. Ö. Alpenverein, wo die Anträge der Sektionen Frankfurt a. M. und Prag den Ausschlag gaben und Prof. Dr. Petersen zum ersten Zentralpräsidenten des nun vereinigten D. u. Ö. Alpenvereins gewählt wurde. Unter seiner Leitung (1874 - 1876) wurde die Trennung der Schriften des Alpenvereins durch Schaffung der "Mitteilungen" und der "Zeitschrift" (Jahrbuch) durchgeführt. Die "Mitteilungen" leitete Petersen selbst mit einer Umsicht und Sachkenntnis, die um so höher zu schätzen sind, als damals noch kein Vorbild dafür bestand. Diese Neuordnung bewährte sich vortrefflich als ein wichtiges Werbemittel für die alpine Sache, was Petersen mit großer Befriedigung erfüllte.
Unendlich dankbar war mir Petersen für die treue Freundschaft, die ich ihm seit Beginn unserer Bekanntschaft und alpinen Tätigkeit zu jeder Zeit aus vollstem Herzen widmete und bei den Hauptversammlungen des Vereins durch enges Zusammenarbeiten und festen Anschluß in allen Angelegenheiten und bei allen Beschlußfassungen bewies. Sehr oft erinnerte er sich der ehrenvollen Aufgabe, die uns beiden allein nach der 5. Hauptversammlung zu Innsbruck zuteil geworden war, für einen neuen Zentralausschuß zu sorgen, und er freute sich stets darüber, wie zufriedenstellend und segensreich diese Aufgabe für den Verein durch die Wahl Münchens (1877 — 1879) gelöst wurde.
Auch in wissenschaftlicher Beziehung schuf Petersen ganz hervorragendes. Nebst dem Alpenverein widmete er seine unermüdliche Tätigkeit dem "Physikalischen Verein" und der "Chemischen Gesellschaft", deren eifrigster Förderer und Vorsitzender er durch viele Jahre war und die er zu großer Blüte brachte. An seinem 75. Stiftungstage ernannte der "Physikalische Verein" Petersen zu seinem Ehrenmitglied und 1906 zum "ewigen Mitglied".
Petersens Marmorbüste schmückt die Eingangshalle des physikalischen Instituts. Die "Chemische Gesellschaft" ist eine Schöpfung Petersens, die ihn gleichfalls an ihre Spitze berief. Diesen beiden wissenschaftlichen Vereinigungen und dem Alpenverein, vor allem aber seiner S. Frankfurt a. M. gehörte Petersens ganze Schaffenskraft, all seine Liebe und Anhänglichkeit, und um sich diesen selbstgestellten Aufgaben stets voll widmen zu können, hat der treffliche Mann vielfache glänzende Angebote großer Unternehmungen stets ausgeschlagen; seine Freiheit und die Freiheit seines Handelns gingen ihm über alles.
Von rührender Dankbarkeit war Petersen für jeden Beweis treuer Freundschaft und Anteilnahme. Als ich ihn gelegentlich der am 15. September des vorigen Jahres abgehaltenen Vertrauensmänner-Versammlung in Passau brieflich frug, ob er dieser Versammlung beiwohnen werde, und versicherte, wie sehr, mich das Wiedersehen nach jahrelanger Trennung infolge des Krieges freuen würde, bedauerte er sehr, dieser Versammlung fernbleiben zu müssen, weil für ihn die weite Bahnfahrt zu mühevoll sei. Ich versicherte ihn in meiner Antwort meines aufrichtigsten Bedauerns, und wie sehr wir ihn vermissen würden. aber diese beiden Briefe - leider die letzten, die ich ahnungslos an ihn richtete - war er so tief gerührt und erfreut, daß er sie bis zu seinem Lebensende stets bei sich trug. Oft erwähnte er mit Stolz: "Der Stüdl und ich sind die zwei ältesten Obmänner (sowohl an Amtsdauer, wie an Alter!) des Gesamtvereins", und gern erzählte er mit bewunderungswürdiger Gedächtnistreue von allen unseren gemeinsamen Arbeiten und Kämpfen im Verein gelegentlich der Hauptversammlungen. Uns verband eben nebst treuer Freundschaft die gemeinsame Erinnerung an die schönsten Jahre des Lebens, die für uns beide mit den Alpen und dem Alpenverein untrennbar verbunden sind.
Bewunderungswert war Petersens geistige Regsamkeit und seine unermüdliche Schaffenskraft und Arbeitsfreudigkeit für die drei Vereinigungen, bis ein leichter Schlaganfall am 20. November v. J. seiner Tätigkeit ein jähes Ende bereitete. Es zeigte sich eine Lähmung des Fußes. Am 22. November wurde Petersen in das Spital des "Roten Kreuzes" gebracht, wo er die erdenklich sorgfältigste Pflege fand. Da sich sonst keine anderen Lähmungserscheinungen bemerkbar machten, kam Petersen die Art seiner bedenklichen Erkrankung nicht zum Bewußtsein, und er glaubte trotz stetiger Abnahme seiner Kräfte bis zu seinem Ende an baldige Besserung. Es bezeugt seine frohe Hoffnung ebenso wie auch seine Pflichttreue, daß er noch wenige Tage vor seinem Verscheiden äußerte, daß er sich der bevorstehenden Wiederwahl zum Obmann der Sektion für weitere drei Jahre wohl nicht werde entziehen können. Seine vielen Freunde besuchten Petersen an seinem Krankenlager häufig und waren bemüht, ihn mit kleinen Aufmerksamkeiten zu erfreuen. Er war für alles unendlich dankbar, mit allem zufrieden und nicht der leiseste Wunsch oder irgendeine Klage kam über seine Lippen. Wie er gelebt, groß und schlicht, so ist er ohne Kampf aus dem Leben geschieden.
Die Menschen, die ihn kannten, und deren sind sehr viele, wußten ihn zu schätzen. In allen alpinen und in den wissenschaftlichen Kreisen bleibt sein unvergängliches Andenken hochgeehrt. Allen denen aber, die ihm nahegestanden, bleibt der Verlust des treuen Freundes unersetzlich und unsagbar schmerzlich.
Johann Stüdl, Prag.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1919, Seite 1-2

Prof. Dr. Th. Petersen (+)
Am 15. Dezember ist zu Frankfurt a. M. der hochverdiente Vorsitzende der S. Frankfurt a. M., Herr Prof. Dr. Theodor Petersen, zugleich eines der ältesten und verdienstvollsten Mitglieder des Gesamtvereins, im 83. Lebensjahre sanft verschieden. Petersen, der Gründer der S. Frankfurt a. M. und deren ununterbrochener Vorsitzender seit deren Gründung - nur wenige Monate fehlten und der Verblichene hätte das Jubiläum der 50 jährigen Vorstandschaft feiern können! -, war auch, der erste Zentralpräsident des 1869 aus dem Deutschen und dem Österreichischen zum D. u. Ö. Alpenverein vereinigten Gesamt-Vereins, um dessen Organisation und Ausgestaltung er sich hohe Verdienste erworben hat. Wir veröffentlichen an leitender Stelle dieses Blattes einen Nachruf aus berufener Feder für den Verschiedenen, dessen harmonisches, von ungewöhnlicher Pflichttreue und erfolgreicher Arbeit erfülltes Leben zum Schmerze seiner zahllosen Freunde seinen Abschluß gefunden hat.
Er ruhe sanft!
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1919, Seite 8

Erschließer und Erforscher der Ötztaler Alpen,15 Erstbest.in den Ötztaler Alpen
1870 1.Best.Dreiländerspitze,3197m, (Silvretta)
1870 1.Best.Karlesspitze(Grubspitze) von Süden,3465m, (Ötztaler Alpen)
1871 1.Best.Königshofspitze-West.-u.Ostgipfel von Südwesten,3138m, (Stubaier Alpen)
1871 1.Best.Hofmannspitze,3112m, und Übergang zur Königshofspitze-Westgipfel,3128m,
(Stubaier Alpen)
1871 1.Best.Texelspitze von Norden,3318m, (Texelgruppe,Südliche Ötztaler Alpen)???
1871 1.Best.Texelspitze über Südostwand,3318m, (Texelgruppe,Südliche Ötztaler Alpen)
1871 1.Best.Hintere Ölgrubenspitze,3296m, (Ötztaler Alpen)
1871 1.Best.Innere Oelgrubenspitze, (Ötztaler Alpen)
1872 1.Beg.Texelspitze von Süden,3318m, (Texelgruppe,Südliche Ötztaler Alpen)
1872 1.Best.Roteckspitze über Südwestgrat,3336m, (Texelgruppe,Ötztaler Alpen)
1872 1.Best.Nördliche Wildspitze,3772m, (Ötztaler Alpen)
1872 3.Beg.Ortler-Hintergrat,3902m, (Ortlergruppe)
1873 1.Best.Hohe Geige über Südwestflanke,Normalweg im Abstieg,3395m,
(Geigenkamm,Ötztaler Alpen)
1873 1.Best.Hinterer Brunnenkogel,3440m, (Ötztaler Alpen)
1873 1.Best.Rofelewand-Hauptgipfel über die Südschulter,3353m, (Ötztaler Alpen)
1873 1.Beg.Weißseespitze-Nordostgrat,II,3526m, (Ötztaler Alpen)
1874 1.Beg.Südliche Hochwilde (Hohe Wilde)-Nordflanke,3482m, (Ötztaler Alpen)
1874 1.Best.Innere Schwarze Schneide über das Tiefenbachjoch,3369m, (Ötztaler Alpen)
1874 1.Beg.Glockturm-Ostflanke und Südostgrat,3355m, (Ötztaler Alpen)
1874 1.Best.Bliggspitze,3454m, (Ötztaler Alpen)
1874 1.Best.Botzer von Nordosten,3251m, (Südliche Stubaier Alpen,Südtirol)
1874 1.Best.Tiefenbachkogel,3309m, (Ötztaler Alpen)
1874 1.Best.Mutkogel,3309m, (Ötztaler Alpen)
1875 1.Best.Hintere Hintereiseespitze,3486m, (Ötztaler Alpen)
1875 1.Best.Mittlere Hintereiseespitze,3451m, (Ötztaler Alpen)
1876 1.Best.Schwarzwandspitze von Süden,3467m, (Ötztaler Alpen)
1884 1.Best.Cèdres, (Hoher Atlas,Algerien)
1886 1.Best.Verpeilspitze von der Kaunergrathütte,3425m, (Ötztaler Alpen)
1891 1.Beg.Weißseespitze über Milanzer Ferner und die Südabstürze,3526m, (Ötztaler Alpen)
1892 1.Best.Schwabenkopf vom Schwabenjoch über den Vorkopf im Südgrat und den Südgrat,
3379m, (Kaunergrat,Ötztaler Alpen)
1893 1.Best.Rostizkogel,3392m, (Ötztaler Alpen)
1893 1.Beg.Hintere Ölgrubenspitze-Südgrat,3296m, (Ötztaler Alpen)
1.Best.Vorderer Seelenkogel,3290m, (Ötztaler Alpen)
Best.Col du Geant,3356m, (Montblancgebiet)
Best.Mont Pelvoux,3946m, (Dauphiné)
Best.Monte Viso,3841m, (Cottische Alpen)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu



Geboren am:
09.04.1836
Gestorben am:
15.12.1918

Erste Route-Begehung