Merzbacher Gottfried

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Biografie:
Prof. Gottfried Merzbacher (+)
Der bekannte Münchner Asienforscher Prof. Dr. h.c. Gottfried Merzbacher ist in der Nacht zum Mittwoch v. W. im 80. Lebensjahr gestorben.
Gottfried Merzbacher wurde am 9.März 1846 in Baiersdorf bei erlangen geboren. Bergfreudigkeit trieb ihn schon in jungen Jahren in verschiedene Teile der Ostalpen, wo ihm im Verein mit trefflichen Führern (mit. Joh. Kederbacher, Steinackerer,Nikolussi u.a.) eine Reihe bemerkenswerter Ersteigungen, darunter viele Neutouren, glückte. In den Dolomiten sowie in der Adamello-, Brenta- und Ortlergruppe bezwang sein Fuß viele Gipfel, teils zum ersten Male, teils auf neuen Wegen. Im Kaisergebirge fiel das Totenkirchl 1881 seinem Ansturm. Seine kühnen Bergfahrten setzte er auch noch bis zum Beginn der neunziger Jahre fort. Von 1891 an wandte er sich größeren Aufgaben zu. Mit Ludwig Purtscheller drang er in den zentralen Kaukasus vor und bestieg die höchsten Gipfel dieser gletscherumwallten Kette.
Im Spätherbst 1891 ging er nach Innerasien, um den Tien-Schan, das „Himmelsgebirge“, kennen zu lernen. Unmittelbar darauf (im August 1892) verwirklichte er seinen Plan einer zweiten Kaukasusfahrt, wobei die vier höchsten Gipfel der gewaltigen Bogoskette von verschiedenen Tälern aus zum ersten Male bezwungen wurden. Die anziehende Schilderung seiner beiden Vorstöße in den Kaukasus verwob er geschickt mit der eingehenden Darstellung von Land und Leuten dieses Hochgebirges in dem zweibändigen Werke „Aus den Hochregionen des Kaukasus“ (1901). In den folgenden Jahren (zuletzt 1907/08) besuchte er den zentralen Tien-Schan und dessen östliche Fortsetzung, den vielgipfeligen, über 6500 m aus kahler Wüstenlandschaft aufsteigenden Gebirgszug der Bogdo Ola. Einige vereiste Bergzinnen daselbst von 40000 bis 4500 m in der Umrandung derselben bestieg er, um Einblicke in den Bau und die Zusammensetzung dieser großartigen Gebirgsgruppe zu gewinnen.
Aus diesen Reisen erwuchs sein zweites Hauptwerk, „Die Bogda Ola“ (1916), von wissenschaftlicher Gründlichkeit und auch von Bergsteigerlust durchglüht. Denn in dem gelehrten Forscher regte sich auch noch zur rechten Zeit der begeisterte Alpinist, der nach seinem eigenen Geständnisse den Reiz der Asienreisen darin fand, daß er „in weltfernen Winkeln die Poesie der erhabenen Alpenwelt“ ganz auf sich einwirken lassen konnte.
Erwähnt sei noch, daß die philosophische Fakultät der Münchner Universität dem hervorrragenden Forscher den Doctor h.c. verlieh. Ferner war Gottfried Merzbacher zweiter Vorsitzender der Münchner Geographischen Gesellschaft. Er besaß eine äußerst wertvolle Asienbibliothek, die 10.000 Bände umfaßte und nunmehr der Bayerischen Staatsbibliothek angegliedert werden wird. In den letzten Jahren hat der Heimgegangene noch ein großes Kartenwerk über den zentralen Tien-Schan vollendet.
Quelle: Der Bergsteiger 1926, Nr. 17, Seite 109;

Gottfried Merzbacher (+)
In München starb am 16. März d. J. im 80. Lebensjahre Dr. Gottfried Merzbacher, einer der erfolgreichsten und fleißigsten Bergsteiger in den ereignisreichen letzten drei Dezenten des vorigen und im ersten des gegenwärtigen Jahrhunderts, der bedeutenden Anteil an der Erschließung unserer Alpen und asiatischen Gebirge hatte. Seine Haupterfolge holte er sich zuerst in den Dolomiten, wo er die Erstersteigungen von selten besuchten Gipfeln der Agordiner Dolomiten (Mte. Pizzon, Mte. Schiara, Sasso di Bosco nero), dann des Vernels, Sasso Vernale und Punta Tasca (in der Marmolatagruppe). der Mugonispitzen, des Vaiolethauptturme, der Tschamin- und Tscheinerspitze, des Antermojakogels, Molignons, Gr. Valbuonkogels (im Rosengarten) und etlicher Spitzen in der Sellagruppe, in den Geißler- und Tschierspitzen ausführte.
Aber auch sonst stand er als einer der frühesten Bergsteiger auf manch stolzer Zinne, darunter die 6. Bernina-Ueberschreitung und die Meije im Dauphinee. Aber auch in den Nördlichen Kalkalpen war er bahnbrechend tätig und seine unvergeßlichste Leistung ist hier 1881
die erste Besteigung des Totenkirchls im Wilden Kaiser. Seine wertvollste Leistung war aber seine Kaukasus-Expedition im Jahr 1891, die er in Begleitung von Ludwig Purtscheller und der Kaiser Führer Johann Kehrer und Johann Unterweger ausgeführt und deren Ergebnisse und Erlebnisse dann im zweibändigen Prachtwerk: „Aus den Hochregionen des Kaukasus" festgehalten hat. Er ging auch späterhin noch mehrmals in die zentralasiatischen Gebirge, wo ihn besonders der Tianschan (Himmelsgebirge) anzog. Auch hierüber erschien 1916 ein von der Bayer. Akademie der Wissenschaften gefördertes Werk, das aber mehr für Gelehrte als Bergsteiger bestimmt ist. Hatte sich Prof. Merzbacher auch in den letzten Ieiten, seinem Alter gemäß, sehr zurückgezogen, so verfolgte er doch aufmerksam als stiller Beobachter die Entwicklung des Alpinismus, der mit seinem Tode einen seiner getreuesten und idealgesinnten Anhänger verloren hat. Die Bergsteigerschaft wird Gottfried Merzbacher stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1926, Seite 104

Geboren am:
09.03.1846
Gestorben am:
14.04.1926

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