Liedeck Georg
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Biografie:
Georg Liedeck (+)
Es war in den ersten Jahren des ersten Weltkrieges, als ich Georg Liedeck und Ludwig Sekirnjak als Hauptausschußmitglieder des Österreichischen Touristenklubs näher kennenlernte und über ihren Vorschlag als Nachfolger des den Ruhestand ersehnenden, hochbetagten Josef Rabl die Schriftleitung der Österreichischen Touristenzeitung übernahm.
Aus den gemeinsamen Klubinteressen — Liedeck wurde Vizepräsident und Sekirnjak Obmann des Bauausschusses des ÖTK. — erwuchs zwischen uns eine enge Bergfreundschaft, und wir waren bald ein unzertrennliches Dreigespann, das (durch die damaligen Jahreskarten der ÖBB.) jeden Sonn- und Feiertag auf irgendeinem Gipfel stand, wenn er nur mit zwei anstrengenden Nachtfahrten erreichbar war.
Freund Liedeck war ein ausdauernder Alpinist und Schiläufer, der bei vielen schönen Klettereien seinen Mann stellte, wenn er auch niemals die von ihm selbst gezogenen Grenzen der Vorsicht überschritt.
Grenzenlos ergeben aber war er dem alpinen Vereinsleben und der Leitung seines ihm ans Herz gewachsenen Österreichischen Touristenklubs widmete er sein ganzes Leben lang jede freie Stunde. Bis in die späten Nachtstunden arbeitete er unermüdlich in der Klubkanzlei und fand dort als geschäftsführender Vizepräsident ein verantwortungsvolles und reiches Arbeitsgebiet, wobei er dem beliebten ersten Präsidenten F. E. Matras gerne
alle repräsentativen Aufgaben überließ. Selten haben zwei Männer sich verständnisvoller in ihren Arbeiten und Sorgen um das ihnen anvertraute Vereinsinteresse gegenseitig unterstützt. Anläßlich des fünfzigjährigen Bestandes des ÖTK. wurde Liedeck durch Verleihung des Kommerzialrattitels für seine Verdienste um den Klub ausgezeichnet.
Erst als Präsident Matras nach seinem 80. Geburtstage sein Amt zurücklegte, übernahm Liedeck die Präsidentenstelle.
In den Bergen hatte unser kleiner Freundeskreis noch einige gleichgesinnte Anhänger gefunden, darunter auch Rudolf Hamburger, der im Jahre 1941 auf dem Großglockner als Alleingänger tödlich verunglückte, und es entstand die „Kameradschaft vom Berge", die nach ihren etwas schrulligen Satzungen jeden Kameraden verpflichtete, den Namen eines Berges im Wappen zu führen, der dem Träger aus irgendeinem Grunde besonders teuer war. „Kamerad von der Gefrorenen Wand", so nannte sich unser Freund Liedeck, und wurde, wenn er einer wichtigen Besprechung mit auswärtigen Sektions funktionären zuliebe sogar auf die gemeinsame Bergfahrt verzichtete, oftmals von uns gehänselt. Es waren frohe, glückliche Jahre, in denen wir unsere Kameradschaftsflagge auf so vielen Gipfeln vom Schneeberg bis ins korsische Hochgebirge flattern ließen und unser Lied: „Wir ha'n die Schuh benagelt schwer, doch leicht Vagantenblut ..." mit mehr Begeisterung als Klangreinheit anstimmten.
Auf dem Schneeberg zwischen Hakaboden und Pürschhof hatten wir uns auf einer reizend schönen kleinen Waldwiese aus einer alten verfallenden Jagdhütte eine gemütliche Kameradschaftshütte in gemeinsamer Arbeit geschaffen, in der wir zwischen den größeren Touren unvergeßliche Tage verlebten. So waren wir viele Jahre lang in unserer kleinen Kameradschaft vom Berge froh und glücklich, bis jene unselige Zeit kam, in der wir erkennen mußten — der eine früher, der andere später —, daß mit unserer Heimat ein frevelhaftes, schicksalschweres Spiel getrieben wurde. Auch für Liedeck zerbrach in jenen Tagen, als er sich von jeder Vereinstätigkeit und seinem Berufe unbedankt zurückziehen mußte, so vieles, was ihm teuer gewesen war und dem er in idealer Begeisterung gedient hatte.
Unsere Kameradschaft vom Berge aber wurde auch durch die Not der letzten Jahre nicht erschüttert. Droben am Hange des Kahlenberges hatte sich unser Freund Liedeck als Ersatz für unsere Schneeberghütte ein kleines Räuschen erworben, von besten Fenstern man einen freien, weiten Blick hinaus ins Donautal und hinab auf das Klosterneuburger Stift genießen konnte. So manches Mal in letzter Zeit waren wir bei ihm droben zu Gaste und ließen die Erinnerungen an gemeinsame Erlebniste in den Bergen wieder wach werden.
In der kleinen Lütte auf dem Leimatberg wollte unser Kamerad seinen Lebensabend geruhsam ausklingen lassen. Als er eines Morgens zu Tal gestiegen war, am 25. Juli 1950, hat ihm, dem Achtundsechzigjährigen, der Tod unbarmherzig und doch wieder unsäglich gnädig ans Herz gegriffen, daß er plötzlich und schmerzlos aus dem Leben scheiden mußte.
Wir haben ihn im stillen Gottesacker von Klosterneuburg begraben, ihm unseren Kameradschaftsgruß „Zum Bessern!" ein letztes Mal entboten. Dann sind seine Kameraden vom Berge, so wie wir es einst vereinbart hatten, in eine stille Buschenschenke gewandert, um zum Gedenken an den Gefährten und. gemeinsam mit ihm erlebtes Bergglück ein Glas zu leeren. Denn „Sterben heißt nur, daß die Erde eines ihrer tausend Augen schloß
zu sattem Schlaf, darein des Lebens ewige Bilder gaukeln ..."
L. Sinek.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1253, Seite 157-159
Gestorben am:
1950