Meangya Peter

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Biografie:
Dr. Peter Meangya (+)
Mein über alles lieber Freund, mein bester Kamerad in den Bergen, Peter Meangya, ist am 14. November 1947, erst 48 Jahre alt, einem tückischen Leiden erlegen, gegen das alle ärztliche Kunst unserer Tage noch keine Hilfe zu bringen vermag. Peter Meangya, Offizierssohn und mütterlicherseits einer angesehenen Wiener Familie entstammend, zeigte schon als Mittelschüler viel Liebe und Verständnis für die Natur. Sommerserien in Aussee und Grundlsee gaben ihm Gelegenheit, das schöne Ausseer Bergland und das weitere Salzkammergut zu durchwandern. Aus dem ersten Weltkrieg, dessen letzte Phasen er als tüchtiger junger Offizier an der Front mitgemacht hatte, in die Heimat zurückgekehrt, fand er wieder in die Berge zurück, vorläufig auf Wanderwegen, die ihn bis auf die Gipfel des Dachsteinstocks führten. Eine freundliche Fügung wollte es, daß ich 1926 durch einen gemeinsamen Freund Peters Bekanntschaft machte. Daß aus ihm in kurzer Zeit ein Bergsteiger nach unserem Sinne werden würde, war nicht schwer zu erkennen. So schlossen wir uns gleich zu gemeinsamen Unternehmungen zusammen; die Wiener Hausberge, Gesäuse und Dachstein waren die ersten Ziele, dann folgten prächtige Tage in den Lienzer Dolomiten und den Julischen Alpen, die Peters zweite Bergheimat wurden.
Ich hatte meine helle Freude an diesem Bergjünger, der bald Geschmack an der scharfen Lust fand, die man auf rauheren Pfaden im Gebirge atmet, dabei aber als begeisterter Verehrer Kugys nie vergaß, daß wir nicht nur der Wände und Grate wegen in die Berge gehen und daß ein armer Wicht ist, wer nicht auch Erinnerungen an sanfte
Frühlingswiesen, dunkle Wälder, beschauliche Rasten und viel Sonnenschein aus den Bergen nach Pause bringt. In kurzer Zeit hatte Peter Meangya seinen „Lehrmeister" überflügelt und sich in Fels und Eis zu einem ausgezeichneten, erfahrenen und unbedingt verläßlichen Bergsteiger entwickelt.
Seine weiteren Tourenberichte nennen neben Gesäuse und Dachstein auch die Tauern, das Kaisergebirge, Karwendel, Ötztaler und Stubaier im Sommer und Winter, und schließlich die großen Westalpen. Dort gelangen ihm Schibesteigungen der Hauptgipfel der Berninagruppe und des Monte Rosa, und zwei tatenreiche Bergsommer in Wallis und Dauphine sollten die Höhepunkte dieser nur zu kurzen Bergsteigerlaufbahn werden. In den Westalpen und in Tirol war unser Klubfreund Ing. Dr. Willi Rutscher Peters treuer Begleiter.
Wir Bergsteiger meinen, die Begeisterung für die Natur, für die Bergwelt, sei die beste Regung, zu der des Menschen Seele fähig ist, doch konnte sich der reiche Inhalt dieses zu früh erloschenen Lebens nicht allein in den Bergen erschöpfen. Peter Meangya, den seine besondere Wesensart, obwohl er der Schweigsamsten einer war, zu einem überall gern gesehenen Gefährten machte, hatte sich der „holden Kunst" kaum weniger verschrieben als den Bergen, und wenn ich mich meines Freundes in Wehmut erinnere, verweilen meine Gedanken nicht nur in steilem Gefels und auf sonnigen Lohen, sondern auch bei musischen Feierstunden, deren Spiel jetzt für immer verklungen ist. Hinter dem Bergsteiger, dem lieben Freund Peter stand, nach außen nahezu unbemerkbar, der ernste Mann, der sich mit den letzten Fragen, die an den Menschen herantreten, völlig auseinandergesetzt hatte. So wurde es ihm leichter gemacht, in vollem Bewußtsein seines nahen Endes von der
Erde, von den Seinen zu scheiden; leichter, als uns der Abschied von ihm gefallen ist.
Als er in den Bergen noch ein Schüler war, bin ich ihm vorausgegangen, dann haben wir den Vortritt gewechselt. Auch den letzten steilen Weg hat er als Erster gemacht, und ich warte ruhig, bis er mir, wie in alten Zeiten, von einem guten Sicherungsplatz zum letztenmal zurufen wird: „Nachkommen!"
Paul Kaltenegger.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1252, Seite 119-120

Gestorben am:
14.11.1947