Hansel Kurt

(Bearbeiten)
Foto gesucht!
Biografie:
Kurt Hansel (+)
Der Kreis der Freunde, mit denen ich in meinem Leben zu Berge zog, war immer klein. Der Krieg legte eine tiefe Zäsur, die Jahre der großen Fahrten sind vorüber und die Freunde sind nicht mehr. Der unvergeßliche Schwarzgruber gefallen, ein anderer ausgewandert und der dritte an einer tückischen Krankheit gestorben. Und kaum ein Halbjahr danach erreichte mich die Nachricht von der schweren Erkrankung eines vierten Freundes aus der Jugendzeit. Kurt Hansel hatte die Nachwehen einer vermeintlichen Grippe nicht beachtet und war trotz leichten Fiebers zu seinem geliebten Schilauf auf den Arlberg gefahren. Mit einer Lungenentzündung mußte er sich hinlegen, und zwei Monate später, am 24. Juni 1946, war seine letzte Kraft zu Ende.
Kurt Hansel entstammte einer Textilfabrikantenfamilie. Er wurde am 8. Juli 1900 in Dresden geboren, von wo seine Eltern nach einem Jahr nach Wien übersiedelten. Wir drückten schon die Schulbank zusammen, und die sanften Hügel rund um das Stift Kremsmünster sahen unsere ersten gemeinsamen Versuche mit den Bretteln. Dann kam er nach Wien zurück. Eine alte Freundschaft verband die Familie seiner Eltern mit unserem unvergeßlichen Präsidenten Pfannl. Und dessen Saat fiel bei dem jungen Kurt auf fruchtbaren Boden.
Ein paar Tagebuchblätter und Tourenalben aus dieser Zeit liegen vor mir. Sie schließen die Wiener Hausberge, Klettereien im Dachsteinstock und im Gesäuse, in den Tauern und Lienzer Dolomiten ein, und schon früh, in den Jahren 1923—1925, die ersten Westalpenfahrten in der Bernina, im Wallis und in der Montblancgruppe. Darunter seien Zmuttgrat, Nadelgrat, Montblanc-Längsüberschreitung, Dent du Geant, Aiguille du Triolet genannt. Aber nicht sosehr die Bilder klassischer Routen, sondern die einfachen Tagebuchblätter, die in druckreifer Form Einblicke in ein allem Schönen leidenschaftlich zugetanes junges Menschenkind vermitteln, rühren ans Herz. Schon zeigt sie auch eine Weite des Blickes, die später die Grundlage beruflicher Erfolge war.
Bald kreuzten sich unsere Wege. Kurz nachdem ich nach Wien gekommen war, übersiedelte Kurt 1925 nach Innsbruck, um dort eine eigene Textilfabrik aufzubauen. Obschon ihm seine Arbeit wenig freie Zeit ließ, blieb er für mich der verläßliche Bergfreund auf Abruf. Die Frühjahrsfahrten zu den Gletschern und Gipfeln der Bernina und des Berner Oberlandes, weite, der Zeit nach knapp ausgeklügelte Sonntagstouren auf Südtiroler und Schweizer Firnberge waren so recht nach seinem Geschmack. And die fröhliche Schlußfeier bei ein paar Bechern Rotem wurde nicht vergessen.
In Innsbruck fand er auch die geliebte Gefährtin seines Lebens, die ihm beim Aufbau getreulich zur Seite stand. Konnte sie ahnen, daß sie einmal berufen sein würde, sein Lebenswerk weiterzuführen? Die Aufgaben, die in den Krisenjahren zwischen den beiden Kriegen einem Fabrikanten gestellt waren, schränkten später seine Zeit mehr und mehr ein. Aber dem alpinen Schilauf, zu dem Innsbruck - wie keine andere Stadt in den Alpen überreiche Gelegenheit bietet, blieb er, selbst ein ausgezeichneter Fahrer, leidenschaftlich ergeben und einen Sonntag ohne Brettel bis in das späte Frühjahr hinein gab es kaum.
Die Liebe zur weißen Bergwelt wurde sein Verhängnis. Ein aller Schönheit auf. geschlossener Bergsteiger, ein immer fröhlicher Gesell ist in der vollen Schaffenskraft allzu früh aus den Reihen des Klubs für immer ausgetreten. Allen, die ihn kannten bleibt er unvergessen.
Anton Hromatka
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1253, Seite 156-157

Geboren am:
08.07.1900
Gestorben am:
24.06.1946