Noske Alfred

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Biografie:
geboren in Wien (Österreich)

Vom Barette . . .
Alfred Noske zum Gedächtnis
Das Tempo unserer sehr realen Zeit läßt die Menschen kaum mehr zur Besinnung kommen. Rastlos hetzen sie vom Heute zum Morgen, und selbst des Lebens größte Ereignisse, Geburt und Tod, lassen sie kaum mehr als wenige Stunden besinnlich verharren. Vom Totenfest mit tagelangem Gelage und Erbbier, vom Totenwachen der Bergbauern, ja selbst vom Trauerkommers der Studenten ist kaum viel mehr übrig geblieben als das Leichenbegängnis und vielleicht — ein Nachruf.
Es wird nicht allzu viele Menschen geben, die diesen Wandel richtig empfinden, noch weniger solche, die er nachdenklich stimmt oder gar betrübt. Steht man aber eines Tages plötzlich am offenen Grab eines Menschen, der einer schon klein gewordenen Gemeinschaft guter Freunde angehörte, blickt man in die starren Gesichter der wenigen, für die er eine Welt bedeutete oder welchen er die Verkörperung einer bestimmten Lebensauffassung war, so greift eine Urgewalt mit kalter Hand an das Herz und zwingt das Haupt, sich in Demut
zu neigen vor der unbezwinglichen Majestät des Todes.
Die Ereignisse der letzten Jahre haben Ideale zerstört, Gemeinschaften aufgelöst und vielen Menschen nicht mehr gelassen als das nackte Sein. Unerschütterlich aber wirkt die Kraft des Lebens, ohne Rast treibt der Wille zur Tat; nichts scheint diese Tatsache mehr zu beweisen als das Tun des Bergsteigers. — Und eine Bergsteigergemeinschaft war es, die am Samstag, den 10. Juni d. J., das offene Grab Alfred Noskes umstand. Mehr und deutlicher als bei anderen Begräbnissen spürt man bei dem eines Bergsteigers die verbindende Kraft einer Weg und Ziel weisenden gemeinsamen Idee.
Den Kameraden von der Akademischen Sektion Wien des A.V. werden die ersten Worte des alten Landsknechtliedes, das keiner begeisterter sang als Noske, zeit ihres Lebens, wenn sie erklingen, immer das Bild ihres getreuen, eifrigen und stets einsatzbereiten Ali vor die Augen zaubern.
Bergsteiger, wenn sie nicht zu den Einsamen zählen, haben fast immer einen Kreis Gleichgesinnter, in dem sie wirken und schaffen. Für Noske war dieser Kreis vor allem die Akademische Sektion, die Sektion der Jungen und der jungen Alten. Vom Tage seines Eintrittes (1929) bis zur Auflösung im Jahre 1945, und von der Neugründung 1946 bis zu seiner letzten Schneebergfahrt, waren Noske und die ASW. ein untrennbares Ganzes.
Wie Ing. Willi Gnambs seinerzeit einen Hochstand der Sektion personifizierte und das in unbezähmbarer Fröhlichkeit schlagende Herz einer Gilde junger Bergsteiger und Studenten war, so war es jetzt Alfred Noske. Er aber war noch mehr. Die eigene Not nicht achtend, war er einer von den ersten, die „Sammeln!" riefen, die in einer engen, dunklen Kammer wieder ein Heim einrichteten und einen Kanzleibetrieb eröffneten. Er war einer der ersten, der die Jugend rief, nicht nur mit Worten, auch mit Taten und — Erfolg. Nie hat man ihn verärgert oder mißmutig gesehen; er war die leibhafte Fröhlichkeit. Von den Ereignissen des Jahres 1945 schwer getroffen, wie tausend andere um Stellung und Heim gekommen, hatte er es nie für notwendig gefunden, seine Lebens- und Weltanschauung irgendwie zu entschuldigen. In Glück und Not aber waren ihm die ASW. und vor allem der ÖAK., zu dessen Ideal er sich nicht nur bedingungslos bekannte, sondern dem er auch stets mit der ganzen Kraft seines Wesens zu- und nachstrebte, immer mehr als bloß Vereine; sie waren ihm Symbol für den großen Gedanken: Bergsteigertum. Und Noskes Bergsteigertum war ohne Fehl. Er brauchte „keines Zweckes Mantel" für sein Tun in den Bergen; es floß allezeit aus der reinen Quelle wahrer und echter Freude. Ob Noske mit seiner Schar beim traditionellen Maiausflug der Sektion durch den Wienerwald zog, ob er mit der Jugend die Felsen der Langerwand von allen Seiten und nach allen Regeln der Kunst erkletterte, ob er mit Gnambs und Mg. Wimmer neue Anstiege aus die Berge Korsikas eröffnete, ob er mit Kurt Geißler und Lackner die großen Grate der Ortlerberge bezwang oder im Bergell um die kühnsten Gipfel warb, ob er im Gesäuse die Nordwände von der Planspitze bis zum Ödstein erkletterte oder besten wunderschöne Nordwestkante erstieg, ob er mit der ASW. beim Sonnwendfeuer lagerte oder mit einer frohen Arbeitsschar für die Körnerhütte werkte, ob er mit Schuß und Schwung die weißen Hänge um Saalbach meisterte oder sonst irgendwo im weiten Alpenrund auf die Berge stieg, immer war er der lachende, singende, scherzende, allezeit fröhliche und unermüdliche Mensch und Kamerad.
Noske wurde 1903 in Wien geboren, besuchte die Handelshochschule, war bis 1945 leitender Beamter der Wiener Gebietskrankenkasse und anschließend im Geschäft seiner Frau tätig, mit welcher ihn nicht nur eine glückliche Ehe, sondern auch gute Bergkameradschaft verband. Seine Kunden aber schätzten ihn als den liebenswürdigsten und scharmantesten Geschäftsmann. Als Vater war Noske eifrig bemüht, seiner kleinen Britta den Weg zum Herz der Natur zu öffnen, ohne Zwang und ohne Drill.
Im Jahre 1939 griff die Hand des Schicksals das erstemal hart nach ihm: er stürzte am Kreuzelschreibersteig in der Loswand und verletzte sich schwer. Die Hilfe eines guten Arztes und ein fester Wille ließen ihn wieder gesunden und die alte Leistungsfähigkeit erreichen. Am Sonntag, den 4. Juni, zog er, wie so oft, mit acht Freunden von der ASW., zur Gemeinschaftsfahrt aus. Der Langlgrat am Schneeberg, den einst Ing. Otto Langl,
Altpräsident des ÖAK. und A. H. der ASW., eröffnete, war das Ziel. Am Ende des Grates, vor den letzten Ausstiegsfelsen, löste sich Noske vom Seil, das ihn mit seinem Gefährten Dr. König verband. Einige Minuten später, und wenige Meter unterhalb des Plateaurandes, stürzte er plötzlich, mit einem großen Felsblock, der sich lautlos gelöst hatte, in die Tiefe und blieb mit zerschmettertem Hinterhaupt in einer Schuttrinne tot liegen. Von seinen Freunden geborgen, nach Wien überführt, wurde Noske am Samstag, den 10. Juni, auf dem Ottakringer Friedhof der Mutter Erde übergeben. Kein Geringerer als Domprälat Dr. Alois Wildenauer, der unermüdliche Bergsteiger und Bergsteigerpriester, nahm die Einsegnung vor. Dr. Ladenbauer sprach die Abschiedsworte für die ASW., Ing. Rolf Werner für den ÖAK. Dr. Hieß überbrachte die Abschiedsgrüße des Hauptausschusses des AV., zu dessen Mitglied Noske bereits ausersehen war. Für den Landesverband der Wiener und Niederösterreichischen Sektionen nahm Juschitz Abschied von dem Toten.
Als Ladenbauer und Werner ihr Fiduzit hinabriefen in das Grab, war mir, als sehe ich plötzlich auf wunderbarer Bergeshöhe Uli Sild mit all den zu früh dahingegangenen Freunden der ASW. und des ÖAK. „versammelt zum löblichen Tun", als hörte ich ihr frohes „ergo bibamus", als öffneten sich tausende Lippenpaare und als klänge es feierlich über all die Gräber der „In den Bergen Gebliebenen": „Wir sind die Fürsten dieser Welt, wir werden es auch drüben sein. "Möge uns allen, die wir die letze Fahrt noch vor uns haben, dereinst drüben auch so ein fröhliches Willkommen bereitet werden wie unserem Freund Ali, dem Menschen, Bergsteiger und fröhlichen Gesellen.
Walcher.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1252, Seite 121-122

Alfred Noske (+)
der Altvorstand und Vorstand der Akademischen Sektion Wien des Alpenvereins ist am 4. Juni am Wiener
Schneeberg tödlich verunglückt, ein schwerer Verlust für den Alpenverein und zumal in Wien. Alfred Noske wurde am 8. Dezember 1903 in Wien geboren. Ein reich erfülltes Bergsteigerleben führte ihn zu zahlreichen Gipfeln. Noske war schon seit geraumer Zeit Ausschußmitglied und lange Jahre hindurch Vorstand der Sektion. Im laufenden Jahr wurde er Vorsitzender des Verbandes der Wiener Alpenvereinssektion und zur Wahl in den Hauptausschuß des Alpenvereins vorgeschlagen. Als hervorragender Bergsteiger gehörte Noske auch dem österreichischen Alpenklub an.
Quelle: Berge und Heimat 1950, Heft 9 September 1950

Geboren am:
08.12.1903
Gestorben am:
04.06.1950